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Ausbildung 2021 - Frankfurt (Oder)

Verloren im Lockdown?

Klare Berufsbilder und Zukunftsperspektiven: Was junge Absolventen in der Krise brauchen

Wohin soll‘s beruflich gehen? Die Corona-Pandemie hat bei jungen Absolventen und Ausbildungs-Suchenden eher Unsicherheiten ausgelöst. Foto: Christin Klose/dpa-mag

2.06.2021
Städtisches Krankenhaus Eisenhüttenstadt GmbH

Mit Beginn der Pandemie sind für viele Jugendliche und junge Erwachsene wichtige Lebensentscheidungen beeinträchtigt worden. Dazu gehört auch die berufliche Orientierung. Die „Generation Lockdown“ hat oft das Gefühl, mit ihrem Corona-Abi oder Corona-Studium nicht nur eine minderwertige Ausbildung zu erhalten, sondern auch eine entscheidende Lebensphase zu verpassen und so ihre Zukunft verbaut zu bekommen.

Unter den 16- bis 19-Jährigen sind 81 Prozent überzeugt, dass sich ihr Leben stark verschlechtert hat, wie zuletzt eine repräsentative Studie der pronova BKK zeigte. Unter den 16- bis 29-Jährigen gab die Hälfte (51 Prozent) der Befragten an, davon auszugehen, durch die Pandemie deutliche Nachteile im Berufsleben zu haben.

Jugend ohne Experimentierphase

„Jugend als Experimentierphase, in der man sich gemeinsam mit anderen ausprobiert, existiert gerade nicht“, sagt Wilfried Schubarth, Professor für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam. „Das beeinträchtigt viele wichtige Lebensentscheidungen, die erst verspätet nachgeholt werden können.“ Zum Beispiel die berufliche Orientierung: Aus Angst und Alternativlosigkeit im Lockdown würden gerade viele ein Studium anstreben, was später jedoch zu erhöhten Abbrecher-Quoten führen könnte, so Erziehungswissenschaftler.

Eine Generation auf der Suche nach Sicherheit

Die allgemeine Unsicherheit beherrscht auch die Erwartungen der Generation an den Arbeitsmarkt. „Vor der Pandemie waren sich Bewerber der sogenannten Generation Z sehr bewusst darüber, dass man sich gerade im ‚War for‘ Talent um junge, gut ausgebildete Arbeitnehmer befand, so dass sie sehr selbstbewusst aufgetreten sind und viel von den Arbeitgebern fordern konnten“, sagt Recruitingexpertin Svenja Rausch von der Praktikums- und Stellenbörse JobTeaser.

Dieses Selbstbewusstsein hat nun erstmal einen Dämpfer bekommen. Stattdessen stehen Arbeitsplatzsicherheit und langfristige Verträge ganz oben auf der Liste der Auswahlkriterien bei möglichen Jobs und Arbeitgebern. Stellen im öffentlichen Dienst etwa sind daher gefragt.

„Zwar hat die Generation Z auch Lust auf Abenteuer und Leidenschaft, eben weil sie es gerade nicht ausleben kann“, sagt Rausch. „Doch zur Zeit herrscht wenig Risikobereitschaft und viel Angst vor.“ Kleinere, weniger etablierte Unternehmen oder Start-ups sind daher als Arbeitgeber im Moment weniger beliebt.

Arbeitgeber müssen Orientierung bieten

„Hochschulen und Unternehmen sind gut beraten, den jungen Schul- und Hochschulabsolventen Angebote zur Berufsorientierung zu machen, auch in digitaler Form. Viele Studis kennen zum Beispiel den Career-Service ihrer Uni kaum oder gar nicht und nutzen dessen Möglichkeiten zu wenig“, sagt Svenja Rausch.

Junge Bewerber finden außerdem die Inhalte von Stellenausschreibungen oft schwer verständlich. Berufsbilder bleiben vielfach unklar. Auch die Rekrutierungsprozesse erscheinen ihnen oft zu lang und unübersichtlich.

„Unternehmen müssen sich jetzt um eine klare Karrierekommunikation speziell an junge, noch unerfahrene Bewerber kümmern. Sie müssen die Berufsfelder ihres Unternehmens genauer vorstellen, auch wenn Einstellungen erst wieder in einigen Monaten möglich sein sollten“, empfiehlt Rausch.

Die Generation braucht Vorbilder

Rausch appelliert an Erwachsene, den jungen Absolventen ein Stück weit Optimismus vorzuleben. „Die Generation Z sieht sich eigentlich als Macher und Weltretter, kann das aber jetzt nicht ausleben. Um ihr Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmtheit wieder zu erlangen, brauchen sie Vorbilder, die ihnen Mut machen, dass es schon mal Krisen gegeben hat und danach trotzdem alles wieder gut wurde.“

Da sind insbesondere auch die Eltern gefragt. Sorgen und Ängste ernst zu nehmen und den Jugendlichen zuzuhören, ist jetzt besonders wichtig. Wilfried Schubarth empfiehlt Eltern, die Beziehung zu ihren Kindern jetzt zu stärken, indem sie als Ansprechpartner offen bleiben, ihren Kindern zuhören, ohne gleich zu bewerten. „Auch Gemeinschaftserlebnisse im Rahmen des Möglichen zu schaffen, ist wichtig, seien es Naturspaziergänge, Spieleabende mit der Familie zuhause oder eben virtuell mit Freunden.“ (dpa)


Viele Wege zur Gesundheitsfachkraft

Ob Hebammen, Pflegekräfte oder Logopädinnen und Logopäden: Für viele Jobs im Gesundheitswesen gibt es mittlerweile nicht nur eine klassische Ausbildung an der Berufsfachschule oder im Betrieb, sondern auch einen Weg über ein Studium an der Hochschule.

Die Akademisierung ist jedoch noch nicht in allen Berufen gleich weit. Für angehende Hebammen ist seit Januar 2020 aber zum Beispiel grundsätzlich ein duales Hochschulstudium mit dem Abschluss „Bachelor of Science“ vorgeschrieben. Die bisherige schulische Ausbildung endet mit der Übergangsfrist 2022, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) informiert. Die Studiengänge nennen sich laut abi.de zum Beispiel Angewandte Hebammenwissenschaft, Hebammenkunde oder Midwifery.

Auch andere pflegerische und therapeutische Ausbildungsberufe können Interessierte vermehrt an Hochschulen erlernen. In der Pflege etwa gäbe es erste Modellstudiengänge wie Angewandte Pflegewissenschaft, Gesundheitswissenschaften oder Evidenzbasierte Pflege, informiert das Portal. Eine Übersicht zu Pflegestudiengängen gibt es etwa auf der Pflegeausbildungs-Webseite des BMG. Viele Studiengänge seien dual organisiert: Studienphasen wechseln sich dann mit Praxisphasen oder einer schulischen Ausbildung mit staatlicher Anerkennung an einer Berufsfachschule ab.

Die Studiengänge sollen die Berufe nicht nur attraktiver machen und dafür sorgen, dass Absolventen etwa auf Augenhöhe mit Ärztinnen und Ärzten zu Therapien beraten und entscheiden können. Die akademische Ausbildung trägt auch zur europäischen Vergleichbarkeit der Abschlüsse bei. (dpa)

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