Der Garten im Frühjahr

Im Gespräch mit einem Kleingärtner aus Rathenow: Banane ja, Cannabis nein

Start ins Gartenjahr: Wer Kartoffelanbau nicht mag, kann gern auf andere Gemüsesorten setzen. Inzwischen kommen auch Exoten in Gartenparzellen. Da kann nun so einiges wachsen.

Steven Templin ist Kleingärtner, Fachberater und Vorsitzender des in Rathenow ansässigen Kleingartenverbands Westhavelland.

02.04.2025

Gerade an der Spitze des regionalen Kleingartenwesens erwartet man womöglich jemanden, der schon eine lange Gartenvita vorweisen kann. Dass das schon im Alter von 34 Jahren möglich ist, belegt Steven Templin. Er übernahm seine Parzelle in der Rathenower Sparte „Freiheit“ bereits als 20-jähriger. Gelernt hatte er den Beruf des Gärtners, hat also beste Voraussetzungen, um anderen Tipps zu geben.

Als Gartenfachberater, der Steven Templin obendrein ist, kann man sich mit thematischen Anfragen gern an ihn im Kleingartenverband Westhavelland wenden. Freilich kommt der Vorsitzende auch in Sparten und bietet Schulungen vor Ort. Auf Wunsch kann freilich die Sprache auf Exoten kommen.

Nun ist es ja inzwischen so, dass sogar Weinbau in Rathenow wieder möglich wäre - in Werder/Havel und Brandenburg/Havel gibt es längst neue echte Weinberge. Reben aus dem eigenen Garten sind denkbar. Aber was würde nun noch hier wachsen, was früher nicht gut bzw. gar nicht gedieh? Steven Templin - beruflich hat er vom Gärtner zum Kindergärtner umgesattelt kann einige Beispiele aus eigener Erfahrung liefern, denn er mag Exoten.

Melonen hat er noch nicht im Garten angebaut, obgleich sich für sie die klimatischen Bedingungen günstig entwickelt haben. Im Vorjahr sollen ihm fast zwei Dutzend Gartenmelonen angeboten worden sein. Hier hat wohl auch der Erfolg eines aus Ungarn stammenden Landwirts in Velten (Oberhavel) inspiriert, dessen erwerbsmäßiger Freilandanbau von Melonen alle Jahre seit 2015 durch brandenburgische Regionalmedien geht.

Wenn nicht Melonen, was ist es dann, was in Templins Parzelle als exotisch bezeichnet werden kann? Er zählt gegenüber BRAWO auf: Bananenstaude, Hanfpalme, winterharte Fuchsie, Granatapfel, Feige und Khakibaum - alles im Boden wachsend. In Kübeln erfreut sich der Kleingärtner an Orange und Zitrone. Freilich ist es noch nicht so warm, dass die Bananenstaude Früchte hervorbringen würde. Sie ist daher ein reines Ziergewächs.

Er rät dringend von Pflanzenarten ab, die einem später nur zu schaffen machen. Dazu zählt der Gartenbauexperte Schmetterlingsflieder, Kirschlorbeer und Giersch. Etwa Staudenknöterich ist eine invasive Pflanze, die man nur mit großem Aufwand wieder mehr loswird, wenn sie sich erstmal ausgebreitet hat. Sie ist gar nicht gern gesehen, weder in Kleingärten noch anderswo, ist sogar verboten. Ebenso verboten und auch geradezu töricht wäre es, sich Riesenbärenklau in die Parzelle zu holen. Das dürfte letztlich sogar schmerzhafte Folgen haben.

Unternehmen aus der Region

Eine Pflanze hat zuletzt groẞes mediales Interesse erregt, das war bei Legalisierung von Cannabis. Doch sein Anbau ist per Bundeskleingartengesetz verboten, worauf Steven Templin ausdrücklich hinweist. Er meint, dass in Kleingärten weiter wächst, was man selbst gern isst. Weil kein Freund vom Anbau, verzichtet Templin auf Kartoffeln. Immer bessere klimatische Bedingungen entwickeln sich derweil für mediterrane Kräuter, für Paprika, Zucchini, Aubergine etc. Auf Tomaten sind viele Kleingärtner schon vor Jahrzehnten gekommen, manche sogar auf eigenen Spargel, der viel wärmende Sonne braucht. Durchaus denkbar, dass einst wenig erquicklicher Pfirsich nun doch noch süß und saftig wird. Versuche mit diesem Baum sind es gerade jetzt alle mal wert.

Unternehmen aus der Region

Die Obstblüte steht derzeit unmittelbar bevor. Im Vorjahr litten die Blüten unter Frost in der letzten Aprilwoche. Erhebliche Fruchtausfälle haben so manchem die Freude an Kirsch-, Apfel-, Birnbäumen etc. verdorben. Aber gestandene Kleingärtner wissen, dass man damit weiter alle Jahre rechnen muss.                                          rez


Wer will jetzt zum Kleingärtner werden?

Im Kleingartenverband Westhavelland sind 41 regionale Kleingartenvereine organisiert, in denen rund 1.950 Parzellen bestehen. Die aktuelle Leerstandsquote beziffert Verbandschef Steven Templin mit rund 18 Prozent. Für alle, die mit eigener Parzelle liebäugeln, ist die Auswahl durchaus groß. Hier lohnt der direkte Draht zum Kleingartenverband, der nur die wenigsten freien Parzellen via Internet anzeigt. Mitunter geben ältere Leute oder solche, die umziehen, einen völlig intakten Garten ab. Bei längerem Leerstand muss wohl zunächst reichlich Zeit, Arbeit und Geld investiert werden. Derweil sind Baumaterial, Werkzeuge - und sogar Dienstleistungen, Pflanzen, Saatgut, Erde etc. in der Region reichlich verfügbar, wie diese Seite zeigt.                                      rez