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Bibliothekarin Ute Schindler verabschiedet sich nach fast einem halben Jahrhundert.

Nach 47 Jahren in der Stadtbibliothek Bernau geht Ute Schindler in den Ruhestand – eine Karriere voller Leidenschaft für Bücher, Kinderveranstaltungen und innovative Bibliotheksarbeit.

01.04.2025
Bibliothekarin Ute Schindler (Mitte) wurde nach 47 Jahren und 4 Monaten von Yvonne Dankert-Schmidt, der Dezernentin für Schul-, Kulturund Jugendangelegenheiten, und Bürgermeister André Stahl in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Stadt Bernau/Cornelia Schach
Bibliothekarin Ute Schindler (Mitte) wurde nach 47 Jahren und 4 Monaten von Yvonne Dankert-Schmidt, der Dezernentin für Schul-, Kulturund Jugendangelegenheiten, und Bürgermeister André Stahl in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Stadt Bernau/Cornelia Schach

Sie war die dienstälteste Mitarbeiterin der Stadt Bernau. 47 Jahren und 4 Monate hat sie in der Bibliothek gearbeitet, nun geht Ute Schindler in den Ruhestand.

„Seit 1. Dezember 1977 bin ich im Rathaus angestellt“, blickt Ute Schindler zurück. Ursprünglich hatte sie nach dem Abitur ein Studium der Anglistik und Slawistik an der Pädagogischen Hochschule Potsdam aufgenommen, um Lehrerin zu werden. „Bei Hospitationen in einer Babelsberger Schule habe ich aber gleich im ersten Semester Zweifel bekommen, ob der eingeschlagene Weg für mich der richtige ist“, berichtet sie.

Nach einem Termin beim Amt für Arbeit stand für sie fest: Ich werde Bibliothekarin. Am 1. Januar 1978 startete sie ihre Ausbildung zur Bibliotheks-Facharbeiterin.„Da ich mit 19 Jahren damals zu alt war für eine reguläre Ausbildung, erwarb ich meinen Abschluss berufsbegleitend im Rahmen der Erwachsenenqualifizierung“, so Ute Schindler.

Von Anfang an war die Bibliothekarin in der Kinderbibliothek beschäftigt und von Juni 1978 bis März 1985 gleichzeitig auch die Leiterin der Phonothek. „Wir hatten hier in Bernau im Radioladen ein Abo für Lizenzplatten für die ,heiße Rockmusik aus dem Westen. Kinderschallplatten, klassische Musik, Märchen und andere Platten sowie Kassetten von Amiga, Eterna und Litera haben wir in dem großen Plattenladen Am Alexanderplatz/Ecke Karl-Liebknecht-Straße gekauft. Dafür verwaltete ich einen Etat von fünf bis sechstausend DDR-Mark pro Jahr“, erinnert sich Ute Schindler.

Parallel dazu leitete sie ab Oktober 1983 die Kinderbibliothek und kümmerte sich um den Bestand an Kinderbüchern und dessen weiteren Aufbau sowie um die zahlreichen Veranstaltungen für die Jüngsten. Außerdem absolvierte sie von September 1981 bis Juli 1986 ein Fernstudium zur Diplom-Bibliothekarin an der Fachschule für Bibliothekare Leipzig. Einmal pro Woche fuhr sie in die Außenstelle der Fachschule nach Berlin-Prenzlauer Berg an den Kollwitzplatz zum Präsenzunterricht. Seit 1996 gab sie ihr Wissen als Ausbilderin an die Auszubildenden in der Bibliothek weiter. Ihre Liebe zum Beruf spiegelt sich auch in ihren vielen Veranstaltungen wider, die sie für die Kinder in der Stadtbibliothek an der Breitscheidstraße 43b organisiert hat. 2024 waren es 144 - so viele wie nie zuvor. Ihre besondere Aufmerksamkeit galt dabei vor allem dem Vorlesewettbewerb, den sie über all die Jahre begleitet hat.

Zu einem Publikumsmagneten haben sich die Bilderbuch-Kinos für Mädchen und Jungen ab drei Jahren entwickelt.„Früher habe ich vorgelesen und das Buch dann zu den Kindern umgedreht, damit sie die Illustrationen betrachten konnten. Heute kann ich die Bilderbuch-Kino-Bücher bei den Verlagen herunterladen und die Abbildungen via Beamer auf die Leinwand projizieren“, freut sich Ute Schindler über die Erleichterung, die die moderne Technik mit sich bringt. Ein Renner in der Bibliothek sind auch Ute Schindlers Gespenstervormittage, bei denen drei Gruppen auf Schatzsuche gehen und an drei Stationen knifflige Aufgaben lösen, anschließend zehn Briefe in Bücherregalen, Papierkörben und an anderen seltsamen Orten ausfindig machen müssen, um den verschwundenen Bücherwurm zu befreien.„Diese Veranstaltung, die wir mittwochs durchführen können, wenn die Bibliothek geschlossen hat, bietet reichlich Spaßpotenzial, erfordert, Gespensterwissen und wird mit einem Schatz vom Bücherwurm belohnt“, erzählt Ute Schindler schmunzelnd.

Unternehmen aus der Region

Um die Kinderbibliothek aktuell zu halten, holt sich Ute Schindler jedes Jahr Anregungen bei der Buchmesse in Leipzig, recherchiert im Internet, durchforstet Verlagsverzeichnisse und hält Augen und Ohren offen beim Fernsehen und Zeitung lesen. Wenn sie Thekendienst hat, hört sie genau zu und freut sich über Wünsche von Kindern und Eltern - auch wenn möglicherweise nicht alles davon angeschafft werden kann.

„Ich hoffe sehr, dass es unsere langjährigste Mitarbeiterin hin und wieder doch in die Bibliothek zurückzieht, damit sie bei Veranstaltungen weiterhin ihre Begeisterung für Bücher und die Freude am Lesen an die Kinder weitergibt“, so Bibliotheksleiterin Gabriele Karla.