Es ist eine paradoxe Situation: In der Logistik fehlen Fachkräfte, gleichzeitig scheuen sich Schulabgänger und Quereinsteiger, eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer zu starten. Denn viele glauben, dass autonomes Fahren den Kraftfahrer künftig überflüssig macht. Ein Irrtum, meinen Experten.
Denn trotz der Digitalisierung bleibt der Bedarf an gut ausgebildeten Berufskraftfahrern und -fahrerinnen hoch.
Die Ware muss geladen und gelöscht werden, Fahrzeuge sind zu warten und es muss mit Kunden kommuniziert werden. Zudem benötigen autonome Systeme jemanden, der sie während der Fahrt überwacht. Das bestätigt auch die Initiative „Fahren für Deutschland“, die mit Unterstützung von MAN Truck & Bus Deutschland ins Leben gerufen. Geschäftsführer Christoph Huber: „Autonomes Fahren wird in kleinen Schritten kommen und das Berufsbild verändern. Berufskraftfahrer heißen wahrscheinlich irgendwann Transportmanager.“ Der Branchenexperte vergleicht die Situation mit den Pferdekutschern, als die ersten Lkw entwickelt wurden. Statt Tiere einzuspannen, wurde es wichtig, Gaspedal und Gangschaltung zu bedienen. Die Aufgabe blieb gleich – Güter sicher zu transportieren.
Die Aussichten: In zehn Jahren wird der Trucker in eine Hightech-Kabine einsteigen, die noch immer über Lenkrad, Gaspedal und Bremse verfügt. Den Weg bis zur Autobahn fährt er selbst – dank der Assistenzsysteme ganz entspannt, weil weder das Abbiegen noch enge Straßen eine Gefahr darstellen. Auf der Autobahn überlässt der Fahrer das Steuer dem Computer, wenn in einer Kolonne gefahren wird – beim sogenannten Platooning folgt ein Lkw automatisch dem nächsten.
Jetzt ist Zeit für Logistikaufgaben am Tablet, um Be- und Entlade-Infos auszutauschen und neue Termine zu vereinbaren. Außerdem können der Stellplatz sowie die Unterkunft für den Abend gebucht werden. Denn auch wenn nicht gelenkt wird, bleiben im Güterverkehr noch viele andere Aufgaben. Fazit: Der Bedarf an Fachpersonal im Güterverkehr bleibt hoch, gleichzeitig wird sich die Qualität der Arbeit verbessern. Gute Gründe, über eine Ausbildung nachzudenken.
txn
Wer sich über den Arbeitsalltag als Berufskraftfahrer informieren möchte, findet unter www.fahrenfuerdeutschland.de interessante Informationen.


