Es ist mitunter ein Teufelskreis. Wenn die Sprache nicht heraus will, schaut einen das Gegenüber vielleicht noch erwartungsvoll an oder spricht den Satz vermeintlich zu Ende. Der Erwartungsdruck wird größer und dann geht gleich gar nichts mehr. Mein Sohn wollte in solchen Momenten das Bäckereigeschäft einfach nur noch verlassen oder nochmal neu starten, mit einem Zettel in der Hand.
Wie gehen wir mit dem Stottern um? In eigener Umgebung, bei uns selbst oder den Kindern.
Zwei Dinge im Voraus: Gerade in der Kleinkindphase ist nicht gleich alles Stottern, was dem Kind während des Sprechenlernens so aus dem Mund purzelt. Es wird auch unterschieden zwischen sogenanntem Poltern und Stottern.
Und wir hätten diese Sprachflussstörung nicht ohne (jahrelange) therapeutische Hilfe hinbekommen. Nur die Logopädinnen und Logopäden wissen, wie sie eine Sprachstörung einordnen können, betreiben eine gründliche Ursachenforschung und richten die Therapiemöglichkeiten nah am Patienten oder der Patientin aus. Dabei kommen neueste wissenschaftliche Studien und Forschungsergebnisse zum Tragen, denn kaum ein medizinisches Fachgebiet ist wissenschaftlich so breit aufgestellt. Doch welche Therapien gibt es und wie kann den Betroffenen geholfen werden?
Therapieansätze
Die Logopäden Werner Rauschan und Claus Welsch haben ein ABC-Modell als Therapieansatz herausgebracht, das sie im Forum Logopädie ausführlich darstellen.
"Eine Art Leitfaden durch die komplexe Stottertherapie ist unser ABC-Modell. Durch seine vereinfachende Dreiphasigkeit wird es sowohl für die Therapeutin als auch für den Patienten sehr schnell möglich, Veränderungen im Verhalten und in der Symptomatik zu bewirken." so die Logopäden.
In Phase A - Arbeit am eigenen Stottern - geht es um den Abbau von Vermeidensverhalten.
Daraus entwickelt sich Primäres Stottern und es ergeben sich bereits Formen von offensiverer Kommunikation, die das Selbstbewusstsein des Stotterers stärken.
In Phase B - dem bewussten Training - wird durch eine bewusste Wahrnehmungssteigerung und Stottertraining von verschiedensten absichtlichen Stotterformen das Stottern neu konditioniert.
Das führt zu ruhigeren, kontrollierten und angstfreien Formen von Stottern. Dieses hierarchische Stottertraining wirkt sehr desensibilisierend und erhöht wie von selbst den Anteil des flüssigen Sprechens ("basic fluency level" nach Van Riper).
In Phase C Creatives Gestalten der Restsymptomatik - wird das Sprechen über die erhöhte Aufmerksamkeit auf unsere Sprechwerkzeuge (Lippen, Zung, Kiefer, Kehlkopf) wie auch durch das Erlernen einfacher Drucklösemechanismen weiter "geglättet".
jr


