Die Lage ist traumhaft: Direkt am Straussee gelegen, mit Blick auf die gegenüberliegende Altstadt, eingebettet in eine herrliche Landschaft und großzügige Gartenanlagen. Eigentlich war hier am Drosselweg 5 in der Ortslage „Jenseits des Sees“ wohl mal ein Hotel geplant, damals in den 1990ern. Doch das erwies sich dann offensichtlich doch als etwas zu ambitioniert und überdimensioniert …
Seit 1999 gehört das große und schöne Objekt jedenfalls schon zur ProCurand Unternehmensgruppe, die damals gerade neu von Professor Adolf Theis und seiner Frau Masako Katagami-Theis gegründet wurde. Die heutige ProCurand Seniorenresidenz „Am Straussee“ zählte demnach zu den ersten Objekten überhaupt dieses inzwischen deutschlandweit tätigen Anbieters von Pflegedienstleistungen.
Doch im Gegensatz zu manch anderen Einrichtungen aus jener Zeit hat sich keine angestaubte Patina über die Residenz gelegt, im Gegenteil: Man hat sogleich das Gefühl, in einem sehr lebendigen, modernen Mikrokosmos zu sein. Es ist ein bisschen wie in einer kleinen Stadt: Dort ein Café, hier ein Restaurant (mit Seeblick!), ein kleiner Einkaufsladen, weite Flure, fünf Ebenen, Kegelbahn, Fitnessraum, Sauna, Wohnungen, Sitzecken, Stationen, Menschen aller Altersgruppen begegnen sich.
Diese lebhafte Ausstrahlung geht auch von Janin Tiedemann selbst aus, seit 2021 Leiterin der Einrichtung. „Zwar führte ich vorher das Seniorendomizil Wilhelm-Stift in Charlottenburg und wohne auch in Berlin, aber ich lebe und liebe diesen Ort hier inzwischen sehr und möchte auch nicht mehr weg“, verrät die quirlige 62-Jährige.
Leitbild ist wichtig

„Natürlich ist das hier ein Ort, der für unsere Bewohner ihren letzten Lebensabschnitt markiert und deshalb sehr ,pflegelastig' ist. Mir ist unser Leitbild wichtig: Wir verfolgen immer und bei jedem einen ganzheitlichen Ansatz, der von Respekt mit- und untereinander geprägt ist. Wir leben Gemeinschaft, unabhängig von Geschlecht, Religion, Gesundheitszustand, Herkunft. Und wir pflegen Lebensfreude. Das sind keine leeren Sprüche, sondern das fordern wir schon sehr konsequent von unseren Mitarbeitenden ein.
Natürlich suchen wir auch hier immer gutes Pflegepersonal. Zumal demnächst gleich zehn unserer besten Fachkräfte in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Sie haben bis zu 25 Dienstjahre Erfahrung, viel Know-how, hohe Loyalität, eine ganz besondere Arbeitseinstellung und ein Wertgefüge, das nicht so ohne weiteres austauschbar ist.
Gerade deshalb ist mir unser Leitbild auch so wichtig. Wer neu zu uns kommt, muss sich damit identifizieren können, wirklich motiviert sein und zu den Menschen passen, die tatsächlich da sind. Nur wenn die Chemie unter den Mitarbeitenden und zu den Bewohnern und ihren Angehörigen stimmt, hat man bei uns eine langjährige berufliche Perspektive“, ist Janin Tiedemann überzeugt.
Trümpfe in der Pflege
Ein paar Trümpfe hat die erfahrene Einrichtungsleiterin für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber da durchaus in der Tasche. Beispielweise eine Dienstplansicherheit bis zu zwei Monate. Wer in der Pflege arbeitet, weiß genau das zu schätzen, aber: „Es ist tatsächlich ein Husarenritt, dies immer so hinzubekommen“, weiß auch Janin Tiedemann.
„Langjährige Mitarbeiterinnen schätzen vor allem das hier besondere Gemeinschaftsgefühl. Wir feiern zusammen Feste, sowohl die Mitarbeiter unter sich als auch gemeinsam mit den Bewohnern, alle helfen beim Vorbereiten, es gibt zu jeder Jahreszeit Veranstaltungen. Das schweißt zusammen. Unser eigener Campus bietet nicht nur klassische Fort- und Weiterbildungen in der Pflege an, sondern greift auch komplizierte Themen wie den Umgang mit dem Tod oder mit besonders schwierigen Menschen auf.“
Und dass Pflegeberufe schlecht bezahlt werden, ist für die Chefin längst ein alter Hut: „Wir zahlen nach Tarif, und der ist in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen“.
Natürlich ist ein Beruf in der Pflege kein Nine-to-five-Job, aber das weiß eigentlich auch jeder. Denn die Seniorenresidenz Am Straussee hat 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche geöffnet: „Sogar unsere Rezeption ist ständig besetzt, was viele hier auch sehr zu schätzen wissen und nicht überall so ist. Aber unter unseren Bewohnern sind natürlich schon einige mit beginnender Demenz. Da ist es wichtig, dass jemand auf sie aufpasst und für ihre sichere Heimkehr in die Wohnung sorgen kann.“
Zu den sogenannten Soft Skills zählt die Einrichtungsleiterin auch das „Job-Ticket“ für den inzwischen regelmäßig hierher verkehrenden Bus „Job-Rad“ (also ein E-Bike auf Leasing-Basis) und Einkaufskooperationen mit Rabattoptionen für Mitarbeitende.
Haustechnik verstärken
Momentan kümmern sich rund 120 Beschäftigte um die 86 Bewohnerinnen und Bewohner der Service-Wohnungen und die über hundert Menschen in der vollstationären Pflege. Neben Pflegefachkräften, Pflegehelfenden und Betreuungspersonen sind sie auch in der Reinigung, Hauswirtschaft, Küche, Rezeption und beim Wachschutz tätig. Alle Altersgruppen zwischen 18 und 66 Jahren sind in der Residenz für die Bewohner tätig, darunter vier Auszubildende in der Pflege.
„Neben Pflegepersonal suchen wir aktuell auch Verstärkung für unsere Haustechnik“, verrät Janin Tiedemann. „Das zieht sich in so einer Einrichtung quer durch alle Gewerke: vom Elektriker bis zum Klempner. Es müssen ja hier ständig große Anlagen kontrolliert, Wartungen, Instandsetzungen beauftragt werden und die Sicherheit immer gewährleistet sein.“
Mittlerweile ist die ProCurand zwar schon an 39 Standorten in Deutschland vertreten, aber das sei noch überschaubar und nicht so anonym wie in großen Konzernen mit 50 und mehr Einrichtungen. Janin Tiedemann schätzt die flachen Hierarchien jedenfalls sehr: „Man kennt sich überall noch persönlich, begegnet sich respektvoll auf Augenhöhe, unsere Geschäftsführerinnen in der Zentrale sind eher unsere Dienstleister und nehmen uns Arbeit ab, die wir selbst nicht ausführen können“, so die Leiterin der Strausberger Residenz.
Tim Johnschker


