Neuruppin im Wandel: Eisenbahnstrasse Warum nicht mal ein Haus aus Holz?

Optisch auffällig und dabei zweckmäßig und umweltfreundlich gebaut, präsentieren sich die Holzhäuser in der Eisenbahnstraße. Fotos (5): Steven Wolter
Optisch auffällig und dabei zweckmäßig und umweltfreundlich gebaut, präsentieren sich die Holzhäuser in der Eisenbahnstraße. Fotos (5): Steven Wolter

Zwei Mehrfamilienhäuser in Holzmassiv-Bauweise sind in der Eisenbahnstraße entstanden / 23 Miet- und Eigentumswohnungen

Zwei Mehrfamilienhäuser in der Eisenbahnstraße bereichern seit einigen Wochen das Stadtbild in Neuruppin. Die auffälligen Gebäude in Massivholzbauweise entstanden als Kopfbauten der Blockrandbebauung und der Hofbebauung am Rand des historischen Stadtkerns von Neuruppin. Das etwas längere viergeschossige Vorderhaus ist als Vierspänner, das dreigeschossige Gartenhaus als Dreispänner ausgebildet. Fast alle Wohnungen sind barrierefrei. Die 14 Mietwohnungen im Vorderhaus wurden durch einen Investor, die neun Eigentums- und Mietwohnungen im Gartenhaus durch eine Bauherrengemeinschaft errichtet. Zwischen den Gebäuden entsteht ein Hof mit zwei Radstellplätzen und einem Parkplatz pro Wohnung.

In den Holzhäusern wurde auf einen Keller verzichtet. Dafür gibt es jedoch den Wohnungen zugeordnete Schuppen.
In den Holzhäusern wurde auf einen Keller verzichtet. Dafür gibt es jedoch den Wohnungen zugeordnete Schuppen.
Die großzügigen drei Meter hohen Wohnräume sind umlaufend mit bodentiefen Fenstern ausgestattet. Die auf zwei Gebäudeseiten umlaufende 60 Zentimeter tiefe Galerie, die auch großzügige Balkone einfasst, erweitert den Wohnraum in den Außenraum. Im dreigeschossigen Gartenhaus werden die Massivholzwände weiß lasiert und schaffen eine angenehme Oberfläche und ein wohngesundes Raumklima. Architektin Jana Richter vom Berliner Architektur-Büro Praeger&Richter sieht in der Holzbauweise eine sehr umweltfreundliche Art des Bauens. „Mit Ausnahme der gefliesten Bäder werden bei diesen Häusern ökologische Materialien verwendet. Alles ist rückbaufähig. Und die Holzbauweise mit den geräumigen Wohnungen schafft ein ausgesprochen gesundes Raumklima“, unterstreicht Jana Richter.

Angeboten werden Vier-Zimmer-Wohnungen in den Größen von 65 bis 95 Quadratmetern. Im Vorderhaus gibt es auch zwei besonders große Wohnungen, die unter dem Dach liegen. Der Mietpreis pro Quadratmeter bewegt sich laut Architektin um 10 Euro. Für die Eigentumswohnungen würden die Quadratmeterpreise unter 3000 Euro liegen. Eine Bauherrengemeinschaft ließ zum Selbstkostenpreis bauen. Die Wohnungstrenn- und Innenwände, Geschossdecken und Fassaden sind in zehn Zentimeter starken Massivholzwänden ausgeführt. Diese wurden inklusive der Öffnungen für Fenster und Türen, sowie Vorfräsen der Elektroinstallation vollständig vorgefertigt. Die präzise Vorbereitung per 3D-Modell und die anschließende Vorfertigung im Werk sparte erheblich Bauzeit und reduzierte den Baulärm vor Ort. „Mit der Bauzeit von insgesamt etwa eineinhalb Jahren können wir höchst zufrieden sein“, betont Jana Richter. Die meiste Zeit habe noch der Bau der Bodenplatte benötigt, der Holzbau sei sehr rasch vorangekommen.
  
Die Innenräume präsentieren sich hell und geräumig und sie bestehen aus wiederverwertbarem Material. Blick in eine der Wohnungen mit Holzdecke. Die Außenwände der Häuser sind mit optisch attraktiven Biberschwanz-Ziegeln verkleidet.
Die Innenräume präsentieren sich hell und geräumig und sie bestehen aus wiederverwertbarem Material. Blick in eine der Wohnungen mit Holzdecke. Die Außenwände der Häuser sind mit optisch attraktiven Biberschwanz-Ziegeln verkleidet.
Jede Wohnung ist als sich selbst tragende Einheit konstruiert. Die Wohnungstrennwände sind also jeweils doppelt ausgebildet, was dem Schallschutz dient. Die Balkone und die umlaufende Galerie wurden besonders großräumig angelegt. Die Architektin lobt dies als konstruktiv einfache und kostengünstige Lösung. Alle tragenden Rohbau-Bauteile, außer den Betontreppen und dem aus Kalksandstein gefertigtem Aufzugsschacht sind aus Massivholz. Bei den Häusern wurde auf den Einsatz von Verbundwerkstoffen (Klebestoffe) weitgehend verzichtet. Auch die verwendeten Farben und Holzschutzmittel sind ökologisch abbaubar. Die schmalen Holzwände von nur zehn Zentimetern schaffen pro Haus circa 15 Kubikmeter mehr Wohnfläche als ein herkömmlicher massiver Wandaufbau mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS). Die Lösung mit den Ziegeln erzeugt keine Mehrkosten im Vergleich zum WDVS und reduziert die Gewerke auf der Baustelle.

Die pur belassenen beziehungsweise lasierten Massivholzwände und -Decken bilden 80 Prozent der Wohnoberflächen der Häuser. Auf einen Keller wurde verzichtet. Technik- und Abstellräume wurden für beide Häuser auf dem Grundstück untergebracht. Die Nebengebäude sind aus dem angefallenen Fensterausschnitten/Verschnitt der Massivholzplatten mit Gründach errichtet worden. Die Gebäude (KfW 55) werden über die Fernwärme der Stadtwerke versorgt. Die Wohnungen sind barrierefrei zugänglich und zu jeder Wohnung gehört ein Pkw-Stellplatz. Mit der Massivholz-Bauweise hat das Büro Praeger&Richter in Neuruppin Neuland betreten. Doch alles spricht für einen Erfolg. „Das Vorderhaus ist bereits bewohnt und im Gartenhaus konnten alle Eigentumswohnungen bereits vergeben werden“, freut sich Jana Richter.
  
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