Was hast du gesagt?

Pflegeratgeber - In guten Händen

Was hast du gesagt?

Mut zum Hörgerät zahlt sich aus und bringt die Teilhabe zurück.

Ein Hörgerat zu tragen, kostet anfangs Überwindung und braucht eine Gewöhnungsphase. Für das soziale Miteinander lohnt es sich aber. Foto: dpa-mag

12.12.2022

Hörprobleme schlagen auf die Lebensqualität. Es drohen körperliche, seelische und kognitive Risiken, manchmal sogar eine Depression. Hörgeräte helfen - wäre da nur nicht das Image-Problem.

Vielen Betroffenen fällt es nicht leicht, sich die Schwerhörigkeit einzugestehen. Häufig bringen Angehörige die Patienten in die Sprechstunde. Denn ihnen fällt auf, dass die Partnerin den Fernseher neuerdings so laut aufdreht oder der Vater Wörter falsch versteht.

Erste Einschränkungen beim Hören ernst nehmen

Der Hörverlust beginnt oft schon zwischen 45 und 50 Jahren. Vorfälle wie ein Knalltrauma, genetische Ursachen oder mehrmalige Hörstürze können das Einsetzen noch weiter verfrühen.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in der Altersgruppe zwischen 60 und 69 Jahren rund jeder Fünfte eine Hörstörung. Bei den 70- bis 79-Jährigen sind es schon 42 Prozent, bei den über 80-Jährigen fast drei Viertel (71,5).

Senioren sollten daher frühzeitig zum HNO-Arzt gehen und einen Hörtest machen. Fällt er nicht gut aus, kann ein Hörgerät die Minderung ausgleichen.

Schlechteres Hören birgt Unfallgefahr

Geht man das Hörproblem lange nicht an, kann das unangenehme Folgen haben. Und die gehen zum Teil weit über Kommunikationsprobleme hinaus.

Schlechteres Hören kann auch zu körperlichen Problemen wie einer erhöhten Sturz- oder Unfallgefahr führen.

Wer eine Hörminderung hat, so die Auslegung des schwedischen Psychologen Jerker Rönnberg, bei dem stimmen die eingehenden - bruchstückhaften - akustischen Signale nicht mehr mit den Signalen überein, die das Gehirn im Langzeitgedächtnis gespeichert hat.

Gesellschaftlicher Rückzug muss nicht sein

Hörgeschädigte ziehen sich oftmals von anderen Menschen zurück - Isolation und Einsamkeit können die Folge sein oder eben das Gefühl, nicht mehr Teil der Gesellschaft zu sein.

Fachleute raten, sich frühzeitig ein Hörgerät verschreiben zu lassen. Damit bleiben Patienten kognitiv leistungsfähiger.

Das bessere Hören mit Unterstützung durch das Hörgerät bringt die gesellschaftliche Teilhabe zurück, fördert sogar die Bewegung, wenn die Betroffenen wieder mehr mit anderen Menschen zu tun haben.

Einstieg besser früher als später

Die frühstmögliche Nutzung hilft, sich langfristig an den Tragekomfort und das neue Hörgefühl zu gewöhnen. Trotz der guten Ergebnisse werden die Hörhilfen selten genutzt. In der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen tragen nicht mal sechs Prozent der Schwerhörigen ein Hörgerät, bei den 80-Jährigen ist es knapp ein Drittel.

Ein Imagewandel für dieses wichtige Hilfsmittel ist also nötig. dpa-mag