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Wenn mehrere Testamente existieren

Erbrecht: Klare Aussagen schützen vor Missverständnissen

Ein Testament sollte immer eindeutig formuliert werden. Vor allem, wenn mehrere Dokumente existieren, kann das Missverständnissen vorbeugen. Foto: Kirsten Neumann/dpa-mag

2.03.2021

Ein Testament - viele haben eins, andere keins. Und dann gibt es Fälle, bei denen ein Verstorbener gleich mehrere Testamente hinterlässt. Letzteres muss aber nicht zwangsläufig zu Problemen führen.

„Grundsätzlich ist es machbar, dass jemand mehrere Testamente aufsetzt, die, falls sie formwirksam sind, dann nebeneinander existieren“, sagt Paul Grötsch, Fachanwalt für Erbrecht in München.

Ein Beispiel: Ein Vater setzt in einem Testament seinen Sohn als Alleinerben ein. Später ordnet er in einem weiteren Testament ein Vermächtnis zugunsten seiner Tochter an, die im Fall seines Todes einen Betrag X bekommen soll. „Beide Testamente gelten“, so Grötsch.

Mehrere Exemplare mit gleichem Inhalt

Denkbar ist auch, dass ein Erblasser mehrere Testamente gleichen Inhalts verfasst und sie an unterschiedlichen Orten hinterlegt - um so auf Nummer sicher zu gehen, dass die Hinterbliebenen eine dieser Urkunden im Fall eines Falles tatsächlich finden. „Existieren mehrere formwirksame Testamente, dann gilt grundsätzlich die zuletzt datierte Urkunde“, erläutert Grötsch, der Geschäftsführer des Deutschen Forums für Erbrecht ist.

Gibt es also zum Beispiel ein Testament vom 19. Februar 2002 und eines vom 24. September 2007, dann ist das Testament vom September 2007 rechtsgültig. Formwirksam ist ein Testament übrigens dann, wenn es der Testator eigenhändig verfasst und unterschrieben hat.

Das Datum ist von entscheidender Bedeutung

Selbst wenn das Testament vom Februar 2002 notariell beurkundet wurde und das Testament vom September 2007 lediglich handschriftlich vom Testator verfasst ist, ist immer das zuletzt datierte Testament gültig, erklärt Eberhard Rott, Fachanwalt für Erbrecht in Bonn.

So weit, so gut. Aber mitunter kann die Existenz von mehreren Testamenten für massiven Streit sorgen. Der ist wahrscheinlich, wenn es in dem einen Testament heißt: „Mein Sohn ist Alleinerbe“ - und in einem weiteren Testament steht: „Meine Tochter ist Alleinerbin“. Sind dann noch beide Testamente ohne ein Datum versehen, stehen die Hinterbliebenen vor einem Rätsel: Wer ist denn nun Alleinerbe?

Im Zweifel muss Gericht prüfen

„Solche Fälle landen zumeist vor Gericht“, sagt Rott. Dann muss ein Richter oder eine Richterin entscheiden. Um herauszufinden, welches der undatierten und sich widersprechenden Testamente nun das jüngste und damit das gültige ist, kann das Gericht Zeugen befragen. „Oder der Richter lässt das verwendete Papier von Gutachtern daraufhin überprüfen, wann es jeweils im Umlauf war“, erklärt Rott.

Sollten die Testamente mit Tinte verfasst oder unterschrieben worden sein, können Gutachter die Tinte in einem chemischen Verfahren daraufhin analysieren, wann sie im Handel erhältlich waren. Ähnlich geht ein Gericht auch dann vor, wenn es ein datiertes und ein undatiertes Testament gibt und es ausloten muss, welches der Urkunden das frühere und welches das zeitlich spätere ist.

Was auch möglich ist: Bei undatierten und sich widersprechenden Testamenten schalten die Hinterbliebenen zunächst einen Fachanwalt für Erbrecht oder einen Mediator ein. Mit seiner Hilfe machen sie einen Auslegungsvergleich - einigen sich also untereinander, wie sie mit dem Erbe umgehen wollen.

Keine Zweifel entstehen lassen

Erblasser können einen solchen Aufwand aber verhindern: „Das A & O ist, sich im Testament klar und unmissverständlich auszudrücken“, sagt Rott, der Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Testamentsvollstreckung und Vermögensvorsorge ist.

Damit Klarheit herrscht, sollte im zeitlich späteren zum ersten Testament erwähnt werden, was mit früheren letztwilligen Verfügungen geschehen soll - zum Beispiel, ob das zeitlich spätere Testament eine Ergänzung zum ersten Testament sein soll.

Oder ob das spätere die erste Verfügung ersetzt. Ersetzt das spätere das erste Testament, ist es ratsam, der neuen Urkunde einen klärenden Satz voranzustellen, der in etwa lautet: Hiermit hebe ich alle bisher von mir verfassten Testamente in vollem Umfang auf. Das gehe aber nur, wenn der Erblasser nicht an ein gemeinschaftliches Testament oder an einen Erbvertrag gebunden ist, stellt Grötsch klar.

Verfasst ein Erblasser ein neues Testament, dann sollte er ein existierendes Testament zwingend vernichten. Wird es beim Nachlassgericht aufbewahrt, dann das alte zurückholen - „und am besten schreddern“, sagt Rott. (dpa)
   


Das Grundstück im Rechtssinn

Ein Grundstück ist ein Stück Land, das rechtlich eine Einheit bildet. Im Rechtssinn ist es ein räumlich abgegrenzter Teil der Erdoberfläche. Alle Grundstücke (mit Ausnahme derjenigen, die öffentlichen Zwecken dienen, zum Beispiel Straßenland) werden in das Grundbuch eingetragen. So schlicht und einfach stellt sich das Grundstücksrecht allerings nicht dar. Es beinhaltet schwerpunktmäßig Rechtsfragen zu dem Grundstückskaufvertrag und den sogenannten dinglichen Rechten (z.B. Grunddienstbarkeit, Grundpfandrecht, Nießbrauch) an Grundstücken.

Gesetzliche Grundlage des Grundstücksrechts sind überwiegend Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Für die Übertragung von Eigentum an einem Grundstück bedarf es immer eines Vertrages und der Eintragung der Rechtsänderung in das Grundbuch. Für Grundstücke müssen auch besondere Steuern gezahlt werden und für Prozesse, die ein Grundstück betreffen, ist ein besonderer Gerichtsstand gegeben. Auch die Zwangsvollstreckung erfolgt nach besonderen Regeln (Zwangsversteigerung, -verwaltung). (pm)

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