Eine Reise nach Moskau für den Besten Image 1

50 Jahre Steinmetzbetrieb Inselfriedhof

Eine Reise nach Moskau für den Besten

Im Steinmetzbetrieb von Carsten Haase wird Handwerk und Tradition seit jeher groß geschrieben

Auch mal ausgefallen - eine Sonderanfertigung für einen verstorbenen Autoliebhaber – für Carsten Haase eine Herzensangelegenheit Foto: Frederike Gollner

13.10.2020

Eisenhüttenstadt. Wer hätte gedacht, dass ein Grabstein ein wichtiger Bestandteil der Trauer und beim Abschiednehmen von einem geliebten Menschen sein kann? Die Überlegungen, wie man den Verstorbenen verewigt und ihm gedenkt, sind ganz gewiss ein großer Teil der Seelennot in Zeiten der Trauer. Immer häufiger ist der Wunsch nach etwas Individuellem, etwas das dem Verstorbenen gerecht wird. Zur Auswahl stehen dabei brillante Materialien, Farben und Formen. Möglich ist grundsätzlich alles, da der Steinmetzbetrieb Carsten Haase auf dem Inselfriedhof das altehrwürdige Handwerk noch beherrscht. Dem Steinmetzmeister ist es ein persönliches Anliegen, seine Kunden selbst zu begleiten und ihnen bei der Beratung zur Seite zu stehen. Nicht selten kommen die Auftraggeber mehrmals in die Werkstatt, um sich die Fortschritte anzuschauen. Der Entstehungsprozess eines Denkmals ist immer ein langwieriger, wenn es noch auf traditionelle Weise angefertigt wird. Das ist bei diesem Steinmetzbetrieb der Fall. Carsten Haase schloss 1982 als bester Lehrling ab und bekam als Auszeichnung eine Zugfahrt nach Moskau geschenkt. Zwei Tage dauerte die Anreise, die dem erfahrenen Handwerker ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist. Eine solche Auszeichnung steht heute schließlich nicht mehr auf der Tagesordnung.
     

Steinmetzbetrieb Inselfriedhof - Steinmetzmeister Carsten Haase

Dabei war die Berufswahl eher zufällig gewesen: „Wie das eben so war, wurde auch ich gefragt, was ich denn eigentlich lernen möchte, und da ich sehr fleissige Eltern hatte, bei denen ich regelmäßig handwerklich mit aushalf, fiel die Wahl auf Steinmetz“, erinnert sich Carsten Haase. Seine Lehre machte er daraufhin in Müllrose bei dem ehemaligen Industriemeister Constantin Decker. Der Ausbildung folgten viele Praxisjahre, ehe die Meisterausbildung genehmigt wurde. Das war für den strebsamen Steinmetz erst 1994 nach der Wende möglich. Bis dahin sammelte er wertvolle Erfahrungen – etwas, das der Steinmetzmeister auch heute noch seinen Lehrlingen empfiehlt. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und deshalb eine direkte Meisterausbildung ohne Praxis kaum machbar.
     

Noch vor der Wende pflegte die Abteilung Grünanlagen, ein Zusammenschluass mehrerer Handwerker und Dienstleister, den Inselfriedhof in Eisenhüttenstadt. Nach der Wende übernahm Dieter Kühl das Gewerbe auf dem Inselfriedhof, der daraufhin eine helfende Hand suchte und sie in Carsten Haase fand. Dieser bekam 1998 die Möglichkeit, in die Firma einzusteigen, später wurde er Dieter Kühls Nachfolger. 2015 schließlich kaufte Carsten Haase das Unternehmen auf und ist seitdem Geschäftsführer.
      

Es lohnt sich, einmal dem Meister oder seinen Mitarbeitern Alexander Grund und Nele Knösel über die Schulter zu schauen. Sie alle beherrschen noch die „alten“ Techniken und legen größten Wert auf die Feinheiten. So werden beispielsweise Buchstaben noch mit handgezeichneten Schablonen angefertigt – „das macht nicht mehr jeder“, erklärt Carsten Haase. Besonders geschickt stellt sich Nele Knösel bei Arbeiten mit Farbe, oder bei denen es tief ins Detail geht, an. Carsten Haase stellte sie aufgrund der hervorragenden Leistungen nach Beendigung ihrer Lehre nur zu gerne ein. Eine hervorragende Ergänzung des Teams und gleichzeitig die rechte Hand des Steinmetzmeisters stellt Alexander Grund dar, der seit 17 Jahren dem Unternehmen die Treue hält und handwerklich in all der Zeit ganz besonderes Geschick an den Tag gelegt hat. Für die hervorragende Arbeit und Treue möchte sich Carsten Haase bei allen, insbesondere seinen Mitarbeitern, ausdrücklich bedanken. fgo