NEIN zum Windpark

Windpark: „Heimat“ massiv unter Druck durch Windparkpläne

Bürgerinitiative kritisiert Informationspolitik und fordert mehr Transparenz sowie echte Beteiligung der Bevölkerung zwischen Wiesenau und Groß Lindow.

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen zum Windparkprojekt steht in Wiesenau und Groß Lindow im März an. Foto: Marie Lindner

06.03.2026

Am 9. März 2026 könnten die Gemeindevertreter in Wiesenau auf ihrer Sitzung eine Vorentscheidung treffen, ob in absehbarer Zeit in der Gemeinde Windkraftanlagen errichtet werden. Bereits im November 2025 hatten sie den vorgelegten Beschluss für die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens zur Aufstellung eines Bebauungsplans „Windfeld Wiesenau“ sowie die dafür notwendige Änderung des Flächennutzungsplans zur Beratung in den Ausschuss für Bau, Ordnung und Verkehr gegeben.

Ähnlich verhält es sich in Groß Lindow. Dort steht die erste Sitzung des Jahres am 12. März an.

Für viele Bürgerinnen und Bürger sind diese Termine längst mehr als gewöhnliche Sitzungstage. Es geht nicht nur um Papier, Paragrafen und Planungsrecht – sondern um ein Projekt, das die Region über Jahrzehnte verändern könnte.

Enertrag spricht von Dialog – die Bürgerinitiative erlebt Distanz

Der Projektentwickler Enertrag betont in einer veröffentlichten Stellungnahme Transparenz, Beteiligung und den Wunsch nach einem sachlichen fairen Umgang. Das Unternehmen verweist darauf, das Projekt mehrfach in Gemeindevertretungen vorgestellt zu haben. Zudem habe es bereits im Sommer 2025 öffentliche Informationsveranstaltungen in Groß Lindow und Wiesenau gegeben.

Die Bürgerinitiative gegen den Windpark sieht diese Darstellung kritisch. Aus ihrer Sicht sei der Austausch bislang nicht ausreichend. Nach Angaben der Initiative seien rund dreißig schriftliche Fragen von Gemeindevertretern gestellt worden, hinzu kämen etwa neunzig Fragen aus dem Kreis der Bürgervertreter. Dennoch habe es keine öffentliche Diskussionsrunde gegeben, in der diese Fragen offen und nachvollziehbar beantwortet wurden. 

Viele Bürger hätten deshalb das Gefühl, dass Kommunikation zwar stattfinde – aber nicht als Gespräch, sondern als einseitige Information.

Beteiligung auf dem Papier – Akzeptanz als Ziel

Seit dem 1. Januar 2026 soll das Erneuerbare-Energien-Gesetz Bürgerbeteiligung stärken und Akzeptanz fördern. Zahlungen an Gemeinden und Beteiligungsmodelle sollen dabei helfen, Widerstände abzubauen und die Bevölkerung einzubinden.

Die Bürgerinitiative kritisiert jedoch, dass die öffentliche Diskussion dadurch häufig auf finanzielle Vorteile reduziert werde. Beteiligung werde aus Sicht der Initiative eher als Mittel genutzt, um Zustimmung zu erzeugen, statt als echte Mitsprache.

Finanzielle Versprechen – aber wie viel bleibt tatsächlich?

Enertrag verweist auf verschiedene Einnahmequellen, unter anderem auf Zahlungen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie auf den brandenburgischen „Wind-Euro“. Für Gemeinden klingt das nach zusätzlichen Spielräumen.

Die Bürgerinitiative fordert dagegen eine vollständige und transparente Aufschlüsselung. Sie kritisiert, dass in öffentlichen Zahlen oft nicht deutlich werde, welche Anteile über Umlagen oder andere Mechanismen wieder abgeführt werden müssen. Aus Sicht vieler Bürger sei deshalb nicht klar, welche Summen tatsächlich dauerhaft in den kommunalen Haushalten verbleiben.

Belastungen für Anwohner: Lärm, Schatten, Verlust an Lebensqualität

Neben Geldfragen stehen für viele Menschen ganz andere Themen im Vordergrund: Lärm, Schattenwurf, Lichtsignale und eine dauerhafte Veränderung des Landschaftsbildes.

Geplant sind sieben Anlagen mit einem Abstand von mindestens 1.000 Metern zu den Wohngebieten von Groß Lindow, Wiesenau und Rautenkranz. Doch auch bei Einhaltung solcher Abstände bleibt die Sorge vieler Bürger bestehen, dass sich der Alltag in der Region spürbar verändern könnte.

Sorgen um Immobilien: Wenn das Zuhause zur Last wird

Besonders emotional wird die Diskussion beim Thema Immobilien. Viele Menschen besitzen in der Region nicht einfach Grundbesitz – sie besitzen ihr Zuhause. Häufig ist es das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit.

Die Bürgerinitiative verweist auf mögliche Immobilienwertverluste im Umfeld von Windenergieanlagen und auf die Sorge, dass Häuser künftig schwerer verkäuflich sein könnten. Ob und in welchem Umfang dies in Wiesenau oder Groß Lindow eintreten würde, ist offen – doch die Angst vieler Betroffener ist real. Es geht dabei nicht nur um Geld, sondern ebenso um Lebenspläne.

Wald, Trinkwasser, Arten: Ein sensibler Standort

Auch Natur- und Trinkwasserschutz spielen eine zentrale Rolle. Enertrag beschreibt den Standort als Kiefernforst, der durch Dürre und Borkenkäfer geschädigt sei. Das Unternehmen betont, dass gerodete Flächen wieder aufgeforstet werden sollen und dass pro Anlage nur ein vergleichsweise kleiner Flächenanteil dauerhaft benötigt werde.

Die Bürgerinitiative hält dagegen, dass es sich dennoch um einen tiefen Eingriff in ein sensibles Gebiet handelt. Sie verweist auf die Bedeutung des Waldes für Wasserhaushalt, Luftfilterung und Lebensräume. Genannt werden unter anderem Rotmilan, Wiedehopf, Eisvogel sowie verschiedene Reiherarten. Besonders kritisch wird von Bürgern die Nähe zu einem Trinkwasserreservoir gesehen. Zudem wird die Frage aufgeworfen, welche Stoffe langfristig in Boden und Wasser gelangen könnten - etwa durch Abrieb oder Baumaterialien.

Enertrag betont wiederum, der Artenschutz sei fester Bestandteil des Genehmigungsprozesses und unabhängige Gutachter würden Vögel, Fledermäuse und weitere Arten erfassen. Schutzabstände seien verbindlich. Die Bürgerinitiative fordert dennoch mehr Transparenz und eine verständliche öffentliche Darstellung der Ergebnisse.

Langfristige Perspektive: Was passiert nach 20 oder 30 Jahren?

Ein weiterer Punkt der Kritik betrifft die langfristige Entwicklung. Die Bürgerinitiative warnt davor, dass eine Entscheidung nicht nur für die Lebensdauer der geplanten Anlagen gelte. Sie verweist auf das Thema Repowering - also den späteren Ersatz durch neue, leistungsstärkere Anlagen.

Dabei wird befürchtet, dass spätere Anlagen höher ausfallen könnten und dass Fundamente möglicherweise nicht weiter genutzt werden können. Dadurch könnten sich neue Standorte ergeben und die Belastung langfristig wachsen.

Energiewende ja – aber nicht um jeden Preis

Die Bürgerinitiative betont, dass sie sich nicht grundsätzlich gegen erneuerbare Energien stellt. Doch sie fordert, dass die Energiewende nicht auf Kosten einzelner Gemeinden umgesetzt werden dürfe – und nicht auf Kosten von Natur, Wasser und Lebensqualität.

Am Ende, so heißt es, gehe es nicht um Ideologie. Es gehe um Verantwortung. Und um Heimat.
Marie Lindner