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Ihr Recht ist unser Zeil Änderungen für Steuerzahler 2020

Altersvorsorge oder Umzugskosten: So manche Ausgabe wird steuerlich begünstigt. Foto: Christin Klose/dpa-mag
Altersvorsorge oder Umzugskosten: So manche Ausgabe wird steuerlich begünstigt. Foto: Christin Klose/dpa-mag

Pünktlich zum Jahreswechsel verändern sich einige Regelungen im Bereich Steuern. So können Arbeitnehmer etwa eine höhere Verpflegungspauschale geltend machen, Steuerzahler mit Kindern stehen höhere Freibeträge zu und der Fiskus begünstigt die Altersvorsorge. Das Wichtigste im Überblick:

- Grundfreibetrag: Ledige haben ab dem 1. Januar 2020 bei der Einkommensteuer einen höheren Grundfreibetrag. Bis zu 9408 Euro bleibt das Einkommen steuerfrei. Das sind 240 Euro mehr als 2019, erklärt die Verbraucherzentrale NRW. Für Verheiratete steigt der Betrag auf 18 816 Euro.

- Kinderfreibetrag: Auch der Kinderfreibetrag steigt auf 5172 Euro - 2019 lag er noch bei 4980 Euro. Eltern können diesen Freibetrag statt des Kindergelds erhalten. Das Finanzamt prüft bei Abgabe der Einkommensteuer automatisch, welche Vergünstigung sich für Eltern mehr auszahlen. Das Kindergeld soll erst 2021 erneut steigen.

- Sachbezüge: Grundsätzlich können Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Sachbezüge bis zu einem Wert von 44 Euro pro Monat kostenlos oder vergünstigt gewähren, ohne dass darauf Steuern anfallen. Ab dem 1. Januar 2020 fallen jedoch unter anderem zweckgebundene Geldleistungen weg. Auch nachträgliche Kostenerstattungen etwa für eine Tankquittung sind dann laut Bund der Steuerzahler nicht mehr steuerfrei.

Ausnahme: Fahrtkosten auf Dienstreisen dürfen Arbeitgeber weiterhin steuerfrei erstatten. Und auch für aufladbare Geschenkkarten fallen keine Steuern an, wenn der Chef diese zusätzlich zum normalen Arbeitslohn ausgibt. Voraussetzung ist: Der Beschenkte kann mit dem Gutschein und der Geldkarte nur Waren oder Dienstleistungen kaufen.

- Verpflegungspauschale: Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen auswärts tätig sind, können sich ab 2020 über eine höhere Verpflegungspauschale freuen. Dauert die Abwesenheit mehr als acht Stunden, gibt es nun 14 Euro statt bisher 12 Euro. Ist der Beschäftigte den ganzen Tag, also 24 Stunden, unterwegs, gilt die neue Pauschale von 28 Euro. Bei mehrtägigen Reisen steigt die Pauschale für den An- und Abreisetag um zwei Euro auf 14 Euro.

Der Arbeitgeber kann diese Beträge steuerfrei ersetzen. Oder der Arbeitnehmer macht die Pauschale in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend - so kann er das zu versteuernde Einkommen senken. Darauf weist die Verbraucherzentrale NRW hin.

- Umzugspauschale: Ab dem 1. März 2020 können Ledige, die aus beruflichen Gründen den Wohnort wechseln, pauschal 820 Euro absetzen - etwa für Schönheitsreparaturen in der vorherigen Wohnung. Ehepartner und eingetragene Lebenspartner können dann 1639 Euro in ihrer Einkommensteuererklärung angeben, erklärt der Bund der Steuerzahler. Zusätzlich können sie etwa Kosten für den Makler oder den Transport der Möbel absetzen - wenn diese einzeln belegbar sind.

- Werkswohnungen: Wer von seinem Arbeitgeber eine günstige Wohnung gestellt bekommt, profitiert von diesem geldwerten Vorteil. Ab Januar 2020 gilt laut Verbraucherzentrale NRW ein Bewertungsabschlag: Arbeitnehmer müssen den Vorteil dann nicht versteuern, wenn die Miete mindestens zwei Drittel des ortsüblichen Mietwerts beträgt. Bislang mussten sie die Differenz zur ortsüblichen Miete voll versteuern.

- Freiwillige Steuererklärung: Nicht jeder ist verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben - es lohnt sich aber für viele. Freiwillig ist dies nach Angaben des Bunds der Steuerzahler für Menschen mit geringen Einkünften: etwa für Ledige, die 2020 einen Arbeitslohn von bis zu 11 900 Euro erzielen. Für Verheiratete steigt der Wert um 550 Euro auf 22 600 Euro.

- Altersvorsorge: Wer für das Alter vorsorgt, kann bis zu 90 Prozent dieser Aufwendungen absetzen - nach Angaben des Bunds der Steuerzahler berücksichtigt der Fiskus ab 2020 bei Alleinstehenden bis zu 22 541 Euro. Ehepaare und eingetragene Lebenspartner können dann zusammen 45 082 Euro steuerlich geltend machen. Der Fiskus zieht bei Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, von den Aufwendungen den steuerfreien Arbeitgeberanteil ab.

- Betriebsrente: Wer eine Betriebsrente erhält, muss darauf unter Umständen Krankenkassenbeiträge zahlen. Ab 2020 fallen die Beiträge nur auf die Summe an, die über dem neuen Freibetrag von 159,25 Euro liegt - und nicht mehr auf die gesamte Rente. Darauf weist der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hin.

- Wohngeld: Ab 2020 haben mehr Menschen erstmals einen Anspruch auf Wohngeld - Schätzungen der Verbraucherzentrale NRW zufolge betrifft dies etwa 180 000 Haushalte. Wohngeld bekommen Mieter mit geringem Einkommen sowie selbstnutzende Eigentümer unter bestimmten Voraussetzungen. Die Höhe des Wohngeldes hängt unter anderem vom Einkommen, der Miete und der Anzahl der Haushaltsmitglieder ab. Ab dem Jahr 2020 steigt der staatliche Zuschuss für das Wohnen. Dadurch bekommt ein Haushalt mit zwei Personen nach Angaben der Verbraucherschützer im Schnitt 190 Euro Wohngeld pro Monat - bislang lag der Zuschuss für dieses Fallbeispiel bei rund 145 Euro.
   

Spenden bis 200 Euro

Anerkennung durch Finanzamt auch ohne Quittung

Spenden können in der Regel bis zur Höhe von 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben abgesetzt werden. Falls das Finanzamt nachfragt, müssen Steuerpflichtige meist Nachweise vorlegen. Sie sollten sich deshalb stets eine Spendenquittung ausstellen lassen, rät die Bundessteuerberaterkammer. In manchen Fällen gibt es aber eine vereinfachte Nachweisführung. Dies gilt für Spenden zur Hilfe in Katastrophenfällen sowie Spenden bis 200 Euro an gemeinnützige Organisationen, staatliche Behörden oder politische Parteien. Als Nachweis reicht je nach Zahlungsart der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank, etwa der Kontoauszug oder ein Lastschrifteinzugsbeleg. Nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer kann auch die Zahlung über Online-Zahlungsdienste wie Paypal anerkannt werden. Damit Spenden in der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden können, müssen sie einer steuerbegünstigten Organisation zugutekommen. Dazu zählen Kirchen, Universitäten, staatliche Museen oder gemeinnützige Vereine und Stiftungen. Direkte Spenden an Bedürftige werden nicht anerkannt. dpa
   

Medikamente

Befreiung von Zuzahlung

Bis zum 18. Geburtstag sind Patienten von der Zuzahlung für rezeptpflichtige Medikamente befreit. Danach müssen sie in der Regel zehn Prozent des Preises zuzahlen - mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Überschreiten die Ausgaben für rezeptpflichtige Medikamente zwei Prozent ihres jährlichen Bruttoeinkommens, können sich Patienten bei der Krankenkasse von der Zuzahlung befreien lassen, so der Deutsche Apothekerverband. dpa

Fake-Tickets im Internet

Wer Konzerttickets unter den Tannenbaum legen will, sollte diese am besten direkt beim Veranstalter oder offiziellen Verkaufsstellen besorgen. Foto: Florian Schuh/dpa/dpa-mag
Wer Konzerttickets unter den Tannenbaum legen will, sollte diese am besten direkt beim Veranstalter oder offiziellen Verkaufsstellen besorgen. Foto: Florian Schuh/dpa/dpa-mag
Bei Konzertkarten müssen Käufer sich vor gefälschten Tickets im Internet in Acht nehmen. Um sicherzugehen, kaufen Kunden am besten direkt beim Veranstalter oder bei offiziellen Verkaufsstellen, rät die Verbraucherzentrale Brandenburg. Immer wieder beschweren sich Verbraucher den Angaben zufolge über Online-Ticketbörsen, weil zum Beispiel die Karten nicht ankommen oder Fake-Tickets verkauft wurden. Das Risiko dafür trägt in dem Fall der Käufer.

Ist ein Konzert schon ausverkauft, kann man etwa über Privatpersonen in transparenten Portalen noch an Karten herankommen. Die Tickets holt man sich dann am besten direkt beim Verkäufer ab. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn es sich um sogenannte Print-at-home-Tickets handelt. Diese können nämlich beliebig oft ausgedruckt werden.

Auch personalisierte Tickets sollte man nicht unüberlegt übernehmen. Denn damit darf nur die Person ins Konzert, die namentlich darauf vermerkt ist und sich ausweisen kann. Ein Umschreiben auf eine andere Person ist zwar möglich, aber aufwändig und möglicherweise mit Kosten verbunden. Fristen können zudem eine Umschreibung ab einem bestimmten Zeitpunkt ausschließen. (dpa)
   

Tipp

Online-Händlern anschreiben

Internet-Händler müssen nicht unbedingt per Telefon und Fax erreichbar sein. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden (Az.: C-649/17). Die Unternehmen müssen jedoch eine schnelle und effiziente Kontaktaufnahme sicherstellen, erklärt das Europäische Verbraucherschutzzentrum. Das kann beispielsweise per E-Mail geschehen. Die Verbraucherschützer raten dazu, die Kommunikation mit Unternehmen schriftlich abzuwickeln. dpa

Unterhalt: Über die Düsseldorfer Tabelle…

… und eine günstige Entwicklung für Eigenheimbesitzer

Änderungen für Steuerzahler 2020 Image 1
Wer die Kinder nicht bei sich hat oder getrennt lebt, muss meistens Unterhalt bezahlen. Viel mehr lässt sich dem Gesetz nicht entnehmen. Alle anderen Unterhaltsregeln haben die Gerichte erarbeitet. Das wichtigste Hilfsmittel ist die sogenannte „Düsseldorfer Tabelle“, entwickelt vom Oberlandesgericht Düsseldorf, die als Grundlage für die Unterhaltsberechnung gilt. Doch Vorsicht! Wer einfach nur sein Nettoeinkommen nimmt und den Zahlbetrag je nach Alter des Kindes abliest, kommt mit größter Wahrscheinlichkeit zum falschen Ergebnis. Das dortige unterhaltsrechtliche Nettoeinkommen kann weit entfernt sein von dem Betrag, den der Arbeitgeber auszahlt. Zu Beginn des Jahres 2020 ist die Düsseldorfer Tabelle in einer neuen Fassung erschienen. Der Kindesunterhalt steigt leicht, und die Freibeträge, bis zu denen kein Unterhalt zu zahlen ist, haben die Richter gleichfalls nach oben angepasst. Der Selbstbehalt beträgt nun 1.160 EUR, zuvor waren es 80 EUR weniger.
Konkretisiert wird die Düsseldorfer Tabelle durch Leitlinien, die jedes Oberlandesgericht (OLG) in Deutschland herausgibt. Darin erklären die Richter, wie sie das Unterhaltsrecht in ihrem Bereich verstanden wissen wollen. Das Brandenburgische OLG hat in seine Leitlinien eine Neuregelung aufgenommen, die hohe praktische Relevanz hat, basierend auf einer nicht eindeutigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs: Wer ein Eigenheim bewohnt, muss sich die ersparte Miete anrechnen lassen. Der Geldbetrag, der für Unterhaltszahlungen zur Verfügung steht, erhöht sich deshalb. Wenn aber die Immobilie finanziert ist, stehen der ersparten Miete die Raten an die Bank gegenüber. Das OLG lässt nun die Verrechnung von ersparter Miete und Raten zu. Bislang wurden oftmals nur die Zinszahlungen akzeptiert. Die Tilgungen wurden als zusätzlicher Teil der Altersvorsorge eingeordnet, die gemeinsam mit anderer privater Vorsorge nicht mehr als 4 % der Einkünfte ausmachen durften. Auch eine Anrechnung auf zusätzliche Altersvorsorge gibt es nicht mehr. Diese kann der Unterhaltspflichtige zusätzlich geltend machen. Im Einzelfall kann dieses Verständnis mehrere hundert Euro Unterhalt vermeiden.

Agnes D. Wendelmuth

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Erbrecht, Fachanwältin für Familienrecht, Deutsche Topanwältin laut FOCUS-Listen 2013, 2016, 2017, 2018 und 2019

Alle Artikel unter „Aktuelles“ bei www.wendelmuth.net

   

Gut zu wissen

Erblasser beklaut

Wer seine Verwandten bestiehlt, riskiert den Anspruch auf den Pflichtteil des Erbes. Diebstahl ist ein schweres vorsätzliches Vergehen, das einen Entzug des Pflichtteils rechtfertigt, entschied das Oberlandesgericht Stuttgart. dpa

Muss sich der Geschädigte nach einem Unfall auf eine von der Haftpflichtversicherung vorgeschlagene Werkstatt verweisen lassen, wenn diese erst im Prozess bekannt gegeben wird?

Wer unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, geht meist davon aus, dass die Regulierung des Schadens ohne Probleme mit der Haftpflichtversicherung des Kraftfahrzeuges, welches den Unfall verursacht hat erfolgen wird. Doch die Versicherer kommen diesem Ansinnen eher selten im Interesse des Geschädigten nach. Insbesondere über die Frage, wie hoch der Schaden ist, wird häufig gestritten.

Dazu zählt auch die Frage der Reparaturkosten. Wie bekannt ist, kostet eine Reparatur in einer Fachwerkstatt meist mehr Geld, als in einer freien Werkstatt, welche jedoch auch nicht mit allen technischen Geräten des jeweiligen Herstellers ausgestattet sind. Von der Rechtsprechung wurden hierzu bereits entsprechende Urteile erlassen, aus denen sich ergibt, unter welchen Voraussetzungen eine solche Verweisung (un-) zulässig ist.

Wenn jedoch im Rahmen der außergerichtlichen Schadensregulierung von der Versicherung des Schädigers eine Verweisung auf eine billigere Werkstatt nicht vorgenommen wird, sollte man zunächst davon ausgehen dürfen, dass der Schaden dann auch nach den Preisen der Fachwerkstatt erstattet wird. Das Amtsgericht Ludwigshafen musste in seinem Urteil vom 18.09.2019 Az.: 2a C 419/18 zu einem solchen Fall eine Entscheidung treffen. Dort hatte der Geschädigte ein Gutachten Zur Schadenshöhe anfertigen lassen. Im Gutachten wurden die Stundenverrechnungssätze der Fachwerkstatt zu Grunde gelegt und der Schaden bei der Gegenseite gelten gemacht. Die Versicherung zahlte jedoch unter grundsätzlicher Anerkennung der Haftung nur einen Teil.

Der Geschädigte, welcher das Fahrzeug nicht reparieren ließ klagte daraufhin darauf, dass die Versicherung auch den weiteren Schaden erstatten müsste. Im Prozess teilte die Versicherung dann eine Werkstatt mit, die günstigere Preise als die Fachwerkstatt hatte. Zwischen den Parteien war auch klar, dass der Geschädigte sich auf eine solche Werkstatt verweisen lassen muss, da die Voraussetzungen dafür vorlagen. Jedoch hatte der Beklagte vor dem Prozess keine Kenntnis von dieser Werkstatt und den dortigen Preisen. Das Amtsgericht verurteilte daher die Versicherung die Kosten des Rechtsstreites zu zahlen, da sie die Verweisung auch schon früher hätte vorlegen können. Der Geschädigte, durfte jedoch nur die Preise der freien Werkstatt bei der Schadensregulierung zu Grunde legen.

Es empfiehlt sich daher immer rechtzeitig einen Anwalt im Falle eines Unfalles zu Rate zu ziehen.

Ralf Breywisch Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Mitglied Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des DAV

www.wendelmuth.net
   
Kanzlei Breywisch & Kanzlei Hanke
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