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50 Jahre Kunst- & Bauglaserei Wendland Handwerk bleibt Handwerk

Die Familie Wendland/ Stepke: (hinten von links) Wolfgang Stepke, Antje Stepke, Sibille Wendland, Horst Wendland, (vorne von links) Marko Stepke, Anja Stepke, Susann Stepke Foto: privat
Die Familie Wendland/ Stepke: (hinten von links) Wolfgang Stepke, Antje Stepke, Sibille Wendland, Horst Wendland, (vorne von links) Marko Stepke, Anja Stepke, Susann Stepke Foto: privat

In dem Rüdersdorfer Traditionsbetrieb arbeiten drei Generationen Hand in Hand

Rüdersdorf (lm). Er ist einer dieser Handwerksbetriebe, in denen die Handarbeit und die Liebe zum Detail noch groß geschrieben wird und wo Traditionen bewahrt werden: Die Kunst- und Bauglaserei Wendland in Rüdersdorf ist ein waschechtes Familienunternehmen. Am 1. April 1969 gründete Horst Wendland den Betrieb, damals eine Sensation in der DDR, musste man sich für diesen Schritt sogar die Zustimmung vom Rat des Kreises einholen. Immer an seiner Seite war seine Frau Sibille, ihretwegen kam er in den 60er Jahren nach Rüdersdorf. Seinen Beruf lernte er in Mahlsdorf. Als dann der einzige Glaser in der Gemeinde in Rente ging, kam der damalige Bürgermeister auf den jungen Wendland zu und bat ihn, hier eine eigene Glaserei zu eröffnen. „Es war verrückt, wir hatten kein Geld und die Kinder waren klein, aber wir haben es gewagt“, erinnert sich Sibille Wendland kopfschüttelnd. Die erste Werkstatt befand sich in der Breitscheidstraße. Vom Vorgänger konnte man lediglich einen Tisch übernehmen, man fing bei Null an. Die Maßgabe war, dass Horst Wendland binnen zwei Jahren die Meisterprüfung erfolgreich ablegt, eine Hürde, die er jedoch mit Bravour meisterte.

Rechts ist das Meisterstück von Antje Stepke, links daneben das Gesellenstück ihres Sohnes.
Rechts ist das Meisterstück von Antje Stepke, links daneben das Gesellenstück ihres Sohnes.
Viel schwieriger war es, in Zeiten der Planwirtschaft an Material zu kommen. Alles musste schon ein Jahr vorher bestellt werden und der vorherige Glasermeister hatte zuvor nie große Materialmengen abgerufen. Und nur weil man etwas bestellte, heiß es noch lange nicht, dass man es auch bekam. Zudem wurde es üblich, auf Verbundfenster umzurüsten. Es gab also viel zu tun, aber die Mittel waren knapp. „Wir sind gelernte DDR-Bürger“, sagt Horst Wendland, wenn er an diese Zeit zurückdenkt. Improvisieren war an der Tagesordnung. Über Bekannte bekam der kleine Betrieb das erste Fahrzeug, ein Dreibein Tempo-Hanseat, das klapperte und dringend eine umfassende Reparatur benötigte. Mit letzter Kraft rollte das eigentümliche Gefährt auf den Hof der Werkstatt, eine Geschichte, die die Familie bis heute noch sehr amüsiert und die zeigt, mit welch geringen Mitteln man es doch geschafft hat. Damals standen die wenigen Privatbetriebe bei der staatlichen Güterverteilung ganz am Ende der Nahrungskette, im Fall der Kunst- und Bauglaserei bedeutete das, dass man oft nur kleine Glasscheiben bekam, wohingegen dem benachbarten Zementwerk sehr große Scheiben zugeteilt wurden. „Die brauchten oft gar nicht so große Scheiben die haben die dann immer zerbrochen, um auf die richtige Größe zu kommen, ich hab dann immer mit denen getauscht“.

Nach kurzer Zeit siedelte die Glaser-Werkstatt dann in die Dr.-Wilhelm-Külz-Straße um. Man machte sich einen Namen. 1987 bezog die Kunst- und Bauglaserei den heutigen Standort in der Straße der Jugend 13. Nebenan hatte die Familie kurz zuvor ein Wohnhaus mit Grundstück gekauft, wo zwei Generationen gemeinsam lebten. Die Werkstatt direkt nebenan zu bekommen, die von einem Sargtischler der Stadtwirtschaft betrieben wurde, war nicht einfach. Die Räumlichkeiten vor allem in der Werkstatt versprühen noch heute diesen Charme vergangener Tage. „Wir haben Bestands-Schutz“, erzählt Antje Stepke.

Senior und Firmengründer Horst Wendland hegt eine besondere Liebe für einzigartige Stücke wie diese Buntglaslampe.
Senior und Firmengründer Horst Wendland hegt eine besondere Liebe für einzigartige Stücke wie diese Buntglaslampe.
Ein Bild, das dazugehörte, waren die beiden Kinder der Wendlands, die oft in der Werkstatt waren. Horst Wendland hoffte, seinen Betrieb irgendwann einmal an seinen Sohn weitergeben zu können. Doch schon früh zeigte sich, dass er kein Interesse an einem handwerklichen Beruf hatte. Tochter Antje hingegen war schon früh Feuer und Flamme. Nach einem Praktikum im Kindergarten war für sie klar, dass sie nur Glaserin werden möchte. Von 1983 bis 1985 absolvierte sie ihre Lehre im elterlichen Betrieb und machte später auch ihren Meister. Auch wenn es in der DDR keine Geschlechter-Spezifik gab, so war sie doch die einzige Glaser-Anwärterin neben 22 Jungs in der Klasse.

2006 übernahm die dreifache Mutter den Betrieb von ihrem Vater und auch ihr Ehemann ist bereits nach dem Abschluss seiner Lehre in den Betrieb eingestiegen. Auch heute findet es bisweilen der ein oder andere noch ungewöhnlich, dass die Chefin hinterm Tresen hervor kommt, und selbst Hand mit anlegt. „Manche Kunden nehmen mich in der Hinsicht nicht für voll“, erzählt Antje Stepke, was im Jahr 2019 leider noch immer nicht selbstverständlich scheint. 2005 stieg Sohn Marko mit ins Unternehmen ein, nachdem er hier auch seine Ausbildung absolvierte. Die Bereitschaft, die Meisterschule zu besuchen und irgendwann das Familienunternehmen zu übernehmen, ist zudem auch vorhanden. Somit ist die Zukunft des Unternehmens gesichert. Zum Leistungsspektrum der Kunst- und Bauglaserei Wendland gehört bis auf den Einbau von Fenster und Türen alles, was mit Glas zu tu hat. Von der Reparatur über Notdienst bis hin zu Bleiverglasungen, sogenannten Ganzglas-Anlagen, also Trendwände aus Glas mit oder ohne Türen, Spiegel, Duschen und sogar Auto und Bootscheiben.

Wolfgang Stepke bei der Arbeit in der Werkstatt der Kunst- und Bauglaserei. Fotos: lm
Wolfgang Stepke bei der Arbeit in der Werkstatt der Kunst- und Bauglaserei. Fotos: lm
Auch wenn sich die Arbeitsweise in den vergangenen Jahren sehr verändert hat, so wird Handwerk hier noch groß geschrieben. Hier wird das Glas noch von Hand geschnitten und Maschinen kommen nur dann zum Einsatz, wenn es nicht anders geht. In enger Zusammenarbeit mit der Fürstenwalder Glaserei Ksink nutzt man gerne den sogenannten Robi. Einen Roboter, die große und vor allem schwere Scheiben heben, transportieren und einsetzen kann. Das entlastet Rücken und Knie. „Wir arbeiten eng mit Firmen aus der Region und in Berlin zusammen“, erzählt die Glasermeisterin. Zur Kundschaft des Handwerksbetriebes gehören sowohl Privat- als auch Geschäftskunden aus der ganzen Region bis in die Hauptstadt. Demnächst steht beispielsweise Demnächst steht beispielsweise die Verglasung von Musterfenster im Roten Rathaus in Berlin-Mitte an. Zudem gehört auch das deutsche Generalkonsulat in Istanbul zu denjenigen, die die traditionelle Handwerkskunst zu schätzen wissen. So reiste Wolfgang Stepke immer wieder wochenweise in die Metropole, um die Fenster fachgerecht aufzuarbeiten. „Man wächst mit den Kundenanfragen“, stellt Antje Stepke fest. Regelmäßig machen Sibille und Horst Wendland noch einen Abstecher in das Familienunternehmen, aber das Arbeiten überlassen sie ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und dem Enkelsohn.

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