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Tag der Logopädie am 6. März 2019 Der Weg zur Sprache

Übungen zur Lautanbahnung sind wichtig auf dem Weg zur Sprache. Foto: dbl
Übungen zur Lautanbahnung sind wichtig auf dem Weg zur Sprache. Foto: dbl

Der Weg zur Sprache

Kommunikation als Erlebnis - Was Logopäden für Autisten leisten

In der Sprachanbahnung bei Kindern mit ASS ist es wichtig, verhaltenstherapeutisch basierte Ansätze (z.B. Verstärkung von Zielverhalten) anzuwenden und die Spezialinteressen des Kindes für die gemeinsame Arbeit zu nutzen. Wichtig ist, dass ein Kontext geschaffen wird, in dem das Kind nicht kommunizieren soll, sondern kommunizieren will, weil es erlebt, dass Kommunikation ihm etwas nützt. Damit das Kind das Gelernte in andere Situationen und Lebensbereiche übertragen kann, muss es verstehen, was bei der Kommunikation passiert. Hierfür ist auch die Einbindung der engsten Bezugspersonen des Kindes im Rahmen der Elternarbeit wichtig. Alle, die mit dem Kind zu tun haben, bilden ein Team. Das heißt, dass alle Beteiligten einander über ihre Arbeit und die Fortschritte informieren und einzelne wichtige Schritte in ihrem Bereich umsetzen sollten. 

Logopädische Leistungen für Menschen mit Autismus

Die logopädische Behandlung kann Ziele aus u.a. folgenden Bereichen verfolgen:

Anbahnung von Grundlagen kommunikativen Verhaltens (Blickkontakt, Zuwendung, nonverbale Interaktion, Sprachverständnis),

Sprachanbahnung (erstes Sprechen oder Lautieren),

Funktionalisierung von Sprache (d.h. Umwandlung stereotyper Wiederholungen in ein kommunikatives, auf ein Gegenüber bezogenes Sprechen)

Erarbeitung von kommunikativen Regeln und funktionaler Interaktion bei Menschen mit ASS, die bereits sprechen, jedoch Schwierigkeiten haben, dies im gegenseitigen Gespräch umzusetzen,

Arbeit im Bereich Sprachverständnis auf höherer Ebene,

Behandlung bei Schwierigkeiten der Nahrungsaufnahme, die durch die autismus-spezifischen Wahrnehmungsstörungen bedingt sind. (Text und Foto: dbl)

Der Tag

Am 6. März findet der Europäische Tag der Logopädie statt. Dieser Aktionstag wurde erstmals 2004 durch den Europäischen Dachverband der Nationalen Logopädenverbände eingeführt. Begangen wird der Tag vor allem von Logopäden in Europa, die zum Beispiel Informationen rund um Sprache, Sprechen und Logopädie verbreiten oder regionale Aktionen veranstalten.Ziel des Tages ist laut Initiatoren auf Sprachstörungen aufmerksam zu machen sowie das Verständnis der Bevölkerung für Betroffene zu erhöhen. Zudem soll über die Arbeit der Logopäden informiert werden, die ihre Patienten nach ärztlicher Verordnung hinsichtlich Sprach-, Sprech- oder Stimmstörungen beraten, behandeln oder untersuchen.

In diesem Jahr informieren Logopäden und Logopädinnen, wie Menschen mit Autismus von der Logopädie profitieren können. Wer Fragen hat, kann eine Expertenhotline anrufen, die am 6. März von 17 bis 20 Uhr geschaltet ist (www.kleiner-kalender.de/dbl)

Logopädie als Brücke

In diesem Jahr wird die Hilfe bei Autismus in den Focus gerückt

Mit diesem Plakat macht der Deutsche Bundesverband der Logopäden auf die Möglichkeiten seiner Berufsgruppe aufmerksam. Foto: dbl
Mit diesem Plakat macht der Deutsche Bundesverband der Logopäden auf die Möglichkeiten seiner Berufsgruppe aufmerksam. Foto: dbl
Am Europäischen Tag der Logopädie am 6. März 2019 informieren Logopädinnen und Logopäden über Autismus-Spektrum-Störungen und darüber, welche Hilfe und Unterstützung sie den Betroffenen bieten können. 

Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung wird diagnostiziert, wenn Auffälligkeiten in den Bereichen der Sprache und Kommunikation, der sozialen Interaktion und einem wiederholendem und stereotypen Verhalten bestehen. Menschen mit der Diagnose Autismus haben oft ähnliche Symptome, jedoch hat die Störung viele Facetten und unterschiedliche Ausprägungen: Das Spektrum reicht von Menschen mit geistiger Behinderung und fehlendem Sprachvermögen bis hin zu Betroffenen mit nur leichten Symptomen, normaler Intelligenz und mit guten Sprachfähigkeiten. 

Der Obergriff für die unterschiedlichen Störungen lautet Autismus-Spektrum-Störung (ASS). Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit der ASS liegen für Deutschland nicht vor, Untersuchungen in Europa, Kanada und den USA gehen von einer Prävalenz von rund einem Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung aus. Typische Symptome betreffen oft den Bereich der Sprache und Kommunikation. Menschen mit einer ASS zeigen unterschiedliche Einschränkungen in ihren sprachlichen Fähigkeiten und die Kontaktaufnahme und Kommunikation mit ihrem sozialen Umfeld fällt ihnen schwer.

Bis heute ist es nicht möglich, Autismus-Spektrum-Störungen zu heilen. Es gibt aber verschiedene Therapiemöglichkeiten, um kognitive und sprachliche Fertigkeiten zu verbessern, die soziale Interaktion zu trainieren und einzuüben und den Betroffenen damit das Leben in ihrem sozialen Umfeld zu erleichtern. Daher bietet das aktuelle Thema die Gelegenheit, um auf die Expertise unserer Berufsgruppe, die die Betroffenen mit logopädischen Therapieansätzen unterstützen und fördern kann, aufmerksam zu machen, so der Deutsche Bundesverband der Logopädie.

LogopädInnen helfen betroffenen Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen, sich mitzuteilen, die Reaktionen und Gefühle ihrer Mitmenschen besser zu verstehen und sich in Gruppen, beispielsweise in der Familie, in der Schule oder im Beruf, zurechtzufinden.

Übrigens: Das Asperger-Syndrom (AS) ist eine Variante des Autismus und wird zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen gerechnet. Es ist aber oft auch mit Stärken verbunden, etwa in den Bereichen der Wahrnehmung, der Selbstbeobachtung, der Aufmerksamkeit oder der Gedächtnisleistung. (pm)
Grit Hänsel Stimm- und Sprachheilpraxis
Praxis für Logopädie Stefanie Nowigk
Gerlind Dietrich Logopädische Praxen
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