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80 Jahre Gaststätte „Zur Sonne“ Geschichte, Tradition, Geselligkeit

Kerstin und Andreas Reichert betreiben das Gasthaus „Zur Sonne“ in dritter Generation. Kerstin Reichert hat das Lokal von ihren Eltern übernommen. Foto: Vanessa Engel
Kerstin und Andreas Reichert betreiben das Gasthaus „Zur Sonne“ in dritter Generation. Kerstin Reichert hat das Lokal von ihren Eltern übernommen. Foto: Vanessa Engel

Die Gaststätte „Zur Sonne“ in Tauche besteht seit 80 Jahren als Familienbetrieb / Heute führen Kerstin und Andreas Reichert das Lokal

Tauche. Jeder in Tauche und Umgebung kennt das Lokal am Wilhelmsplatz und hat mit Sicherheit schon einmal im gemütlichen Gastraum gespeist oder im großen Saal das Tanzbein geschwungen. Seit 80 Jahren ist die Gaststätte „Zur Sonne“ in Familienhand, Kerstin und Andreas Reichert betreiben die älteste Wirtschaft im Dorf bereits in dritter Generation.

Nachdem Wilhelm Krause die Gaststätte am 1. September 1939 gekauft und seine Familie damit überrascht hatte, zogen sie von Danigkow bei Magdeburg nach Tauche. Aus dem ehemaligen Dampfwalzen-Fahrer wurde ein Wirt, der nur zu gerne mit seinen Gästen beisammensaß, um sie mit amüsanten Geschichten zu unterhalten. Während sich seine Frau hauptsächlich um den Ausschank und die oberen Zimmer kümmerte, die damals noch an Erntehelfer vermietet wurden, war der Dorfplatz vor der Gaststätte Männersache. Immer wieder füllte Wilhelm die hartnäckigen Schlaglöcher auf und pflegte den Platz. Deshalb nannten ihn die Anwohner bald nur noch „Wilhelmsplatz“ und im Jahr 2000 wurde er sogar offiziell umbenannt.

Wilhelm Krause
Wilhelm Krause
Helene Krause
Helene Krause

















In den 1940er und 50er Jahren suchten vor allem Arbeiter vom Gut Tauche das Lokal auf, um ihren Durst zu löschen. Weil hier so gern und viel getrunken wurde, tauften die Bierlieferanten die Kneipe in „Kamelstränke” um. Mit dem Kriegsende wandelte sich das Dorfleben, nun wurde in der Gaststätte „Zur Sonne“ regelmäßig gefeiert und getanzt. Den großen Saal nutzte man außerdem für Kinovorführungen und Theaterproben oder als Sporthalle zum Turnen, Tischtennisspielen und Boxen. Im Jahr 1968 übernahmen Herbert und Ursula Krause das Ruder. Auch sie verstanden es, ihre Gäste trotz aller Widrigkeiten zu DDR-Zeiten mit Bier und Fassbrause zu versorgen. „Weil man mit der Flaschenproduktion nicht hinterherkam, sind die Leute mit Eimern und Kannen gekommen, um sich ihre Getränke zu holen”, erinnert sich Kerstin Reichert. Als Jüngste von drei Kindern ist sie mit der Wirtschaft groß geworden und kennt all die Familiengeschichten. Schon von klein auf hat sie mit angepackt und im Jahr 1994 übernahm die gelernte Gaststättenfacharbeiterin schließlich die elterliche Wirtschaft. Andreas Reichert kam als Quereinsteiger hinzu und ist seither Gastwirt mit Leib und Seele. Mit der Wende und dem zweiten Generationswechsel hat sich nicht nur das Angebot der Gaststätte verändert. Die jungen Gastwirte bauten eine Küche, in der Kerstin Reichert gute Hausmannskost zaubert, und im ehemaligen Schlafzimmer der Großeltern sind heute Gästetoiletten. Das 70 Jahre alte Parkett im Saal wurde erneuert, auch die Fassade, das Dach und das Mobiliar wurden modernisiert. „Aber der Charakter der Dorfgaststätte ist erhalten geblieben und das soll auch so bleiben“, sagt die Wirtin und ihr Mann ergänzt: „Es ist uns wichtig, dass Tradition und Geselligkeit bei uns gepflegt werden.“

Gruppenbild mit Wilhelm Krause (dr.v.r.) vor der Dampfwalze am Beeskower Ostkreuz von 1939/40
Gruppenbild mit Wilhelm Krause (dr.v.r.) vor der Dampfwalze am Beeskower Ostkreuz von 1939/40
In den 1940er Jahren rahmten noch prächtige Kastanienbäume das Gasthaus „Zur Sonne“. Fotos: Privat
In den 1940er Jahren rahmten noch prächtige Kastanienbäume das Gasthaus „Zur Sonne“. Fotos: Privat











Dass sich die Gäste wohlfühlen, hat für sie oberste Priorität, auch wenn es immer viel zu tun gibt. Zu zweit bewältigen sie Hochzeiten, Geburtstage und andere Familienfeiern für bis zu 120 Personen oder liefern das Essen auf Anfrage aus. Alljährlich richten sie zudem traditionelle Veranstaltungen wie die Fastnacht oder das Eisbein-Essen aus und beteiligen sich an vielen Dorffesten in Tauche.

Nach wie vor ist die Gaststätte „Zur Sonne“ am Wilhelmsplatz eine Anlaufstelle für gemütliches Beisammensein und feierliche Anlässe. Auch wenn das Gastronomiegeschäft nicht einfach ist, sind sich die Reicherts einig: „Der ganze Stress ist schnell vergessen, wenn unsere Gäste zufrieden sind. Das ist der größte Dank und das beste Lob für unsere Arbeit.“ ven
Gaststätte Zur Sonne
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