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Umwelt & Recycling Das Dach ist nicht nur von Pappe

Wer aktuell neue Dachpappe verarbeiten möchte, muss teer- und asbestfreies Material verwenden, wie hier beim Herbstputz des Beeskower Kanuvereins. Foto: Ruth Buder
Wer aktuell neue Dachpappe verarbeiten möchte, muss teer- und asbestfreies Material verwenden, wie hier beim Herbstputz des Beeskower Kanuvereins. Foto: Ruth Buder

Dachpappe muss vor der Entsorgung analysiert werden / Mineralwolle gilt als gefährlicher Abfall

Schuppen oder Garage benötigen ein neues Dach. Das alte auf dem zu sanierenden Wohngebäude muss runter. Doch wohin mit der herunterzureißenden Dachpappe? Einfach in den Hausmüll oder in den Container für den Baumischschutt? „Nein, teer- und faserhaltige Dachpappe gilt, ebenso wie Asbest oder Mineralwolle, als gefährlicher Abfall und darf zur Entsorgung nicht mit anderen Materialien vermischt werden“, erklärt Matthias Beißert. Er leitet den Bereich Kundendienst, Abbruch und Entsorgung der Firma Grunske Metall-Recycling GmbH & Co. KG.

An deren Sitz im Gewerbegebiet Germendorf treffen täglich bis zu zehn verschiedene, nachweispflichtige Abfälle mit Containern unterschiedlicher Größe ein.

Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Entsorgung von Abfällen aller Art. Es besitzt alle Legitimationen, um Bauherren von Alt-, Neu- und Umbau die entstehenden Abfälle abzunehmen, fachgerecht zu beseitigen, und dokumentiert dies lückenlos. Beachten sollten Bauherren: Sie bleiben Eigentümer der Abfälle, bis deren letzter Entsorgungsweg nachgewiesen ist.

„Wir entsorgen beispielsweise alle Dachpappearten fachgerecht“, sagt Matthias Beißert. Der ausgebildete Bauingenieur weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Übernahme kostenpflichtig ist. Wer Dachpappe loswerden will, muss das Material zuvor analysieren lassen. „Dachpappe kann Asbest enthalten“, nennt Matthias Beißert den Grund, weshalb derartige Chargen seit dem 15. August 2018 bei Grunske und an den Recyclinghöfen Oberhavels in Germendorf und Gransee nur noch verpackt in Big-Bags beziehungsweise Kleinmengen bis maximal 50 Kilogramm, in Folie verpackt (maximale Abmessungen: 70 mal 70 mal 90 Zentimeter), angenommen werden dürfen. Laut Vorschrift, der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 519 Asbest: Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten, müssen derart gefüllte Big-Bags in Unter-Tage-Deponien gelagert werden. „Dieser Aufwand ist deutlich teurer. Deshalb sollte die Entsorgung mit uns im Vorfeld abgesprochen werden“, so Beißert. Der Fachmann der Firma Grunske und sein Kollege, Roy Schiefelbein, weisen darauf hin: „Wir bieten die Abholung der Abfälle mittels Selbstlader oder Containerdienst an.“

AWU Abfallwirtschafts-Union Oberhavel GmbH

Erst müsse jedoch der Entsorgungsweg klar sein, bevor die Fahrzeuge rollen beziehungsweise auch Kleinstmengen per Handwagen angeliefert werden können. „Daher ist gerade bei größeren Mengen Dachpappe eine Analyse auf krebserregende Fasern erforderlich. Diese muss uns im Vorfeld übergeben beziehungsweise kann sie über uns beauftragt werden“. Der Preis hierfür liege etwa bei 350 Euro. Die Experten der Recyclingfirma wägen gemeinsam mit dem Kunden ab: Lohnt es sich für ihn, die Analyse zu erstellen, um dadurch eventuell einen niedrigeren Entsorungspreis zu zahlen, falls die Dachpappe frei von Asbest und KMF-Fasern ist? Oder zahlt er gleich die höheren Entsorgungskosten, die für Schadstoffe gelten. In diesem Fall übernimmt die Firma die Analyse, bevor sie das Material entweder in die Aufarbeitung zur Verbrennung oder auf die Deponie bringen kann. Je nachdem, ob die Dachpappe schadstofffrei oder belastet ist. Wer Altbauten sanieren oder Nebengebäude abreißen beziehungsweise ein Hausdach von alter Dachpappe befreien will, sollte diese Analyse in Anspruch nehmen: „Enthält die alte Dacheindeckung Asbest, ist das gesundheitsgefährdend. Insbesondere beim Rückbau müssen Atemschutzmasken getragen werden. Der Umgang mit Asbest durch die Fachunternehmen ist den Behörden anzuzeigen“, klärt Matthias Beißert eindringlich über das Prozedere auf. Fachleute, die mit Asbest arbeiten, werden in einem Kataster geführt und regelmäßig gesundheitlich untersucht.

Manchmal sind sich Handelnde der Gefahr nicht bewusst: Eingeatmete Asbestfasern können erst Jahre später zu Lungenkrankheiten und Krebs führen. tja
  

Dachpappe richtig entsorgen

Dachpappe wird seit etwa 170 Jahren verwendet, um Dächer gegen Feuchtigkeit abzudichten. Anfangs war es in Teer getränkte Pappe, später kam Bitumen zum Einsatz. Daraus leiten sich die allgemein gebräuchlichen Begriffe wie Teerpappe, Bitumenpappe und Asphaltpappe ab. Bei Neubauten ist nur noch teerfreie Dachpappe erlaubt, die als Bitumen-Schweißbahnen, Bitumen-Dachbahnen oder Dachdichtungsbahnen bekannt ist.

Teer- und faserhaltige ist, ebenso wie asbasthaltige Pappe, als gefährlicher Abfall eingestuft und darf nicht mit anderen Materialien vermischt werden. Bei der Entsorgung sind die Vorschriften der Gefahrenstoffverordnung und die TRGS 519 zu beachten.

Wesentliche Bestandteile der Teerdachpappe sind Pappe als Trägermaterial und Steinkohlenteer beziehungsweise Steinkohlenpech als Tränkmasse. Dazu kommt eine Schicht aus Kies, Sand oder anderem körnigen Material auf der Oberseite. Da Inhaltsstoffe dieses Teers als krebserregend und umweltschädigend gelten, darf Teerpappe nicht mehr hergestellt und verbaut werden. Deshalb fällt geteerte Dachpappe nur noch bei der Dachsanierung oder dem Abriss älterer Gebäude als Abfall an. Ähnliches gilt für Asbest. In der Natur kommen mehrere Sorten wie Weißasbest und Blauasbest vor. Alle Arten sind feinfaserige Silikatmineralien. Asbest gilt schon lange als krebserregend. Inzwischen sind seine Fasern als Karzinogene der Kategorie 1 eingestuft.

Die Herstellung und Verwendung von Asbest wurde in Deutschland 1995 und europaweit 2005 verboten. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde die sogenannte Wunderfaser auch Teer- und Bitumendachpappe zugesetzt. Zum Beispiel Bitumenschindeln und Preolitschindeln aus früheren Baujahren können mit Asbestfasern belastet sein.

Der Asbestgehalt in Dachpappe lässt sich nur durch eine spezielle Analyse sicher ausschließen oder nachweisen. Mit Naturasphalt, also natürlichem Bitumen, dichteten Bauherren schon vor Tausenden Jahren Mauern gegen Feuchtigkeit ab. Anfang des 20. Jahrhunderts kam industriell hergestellte, bitumenhaltige Dachpappe auf den Markt. Das Bitumen dafür fiel quasi als Abfallprodukt bei der Erdöldestillation an.

Bis heute wird Bitumendachpappe als zweite Dachhaut unter den Ziegeln oder als Oberlage für flach geneigte Dächer verwendet. Statt Pappe dienen heute Gewebe aus Jute, Glasfaser- und Polyesterflies und andere Materialien als Trägereinlage. Dem Bitumen werden als Weichmacher oft Polymere oder Elastomere zugesetzt, um besonderen Belastungen standzuhalten.

Dünnere Dachdichtungsbahnen werden lose verlegt, durch Bitumenklebemasse verklebt oder mittels Heißbitumen mit dem Untergrund verschweißt.

Dickere Bitumen-Schweißbahnen werden durch Flämmen verschweißt. Die Oberseite ist besandet oder beschiefert, die Unterseite ist mit Talkum oder Folie beschichtet. Quelle: https://www.hk-preussen.de/
  
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