Helfer in schweren Stunden

Den Tag X selber planen

Schon zu Lebzeiten an die Beerdigung denken und möglichen Konflikten vorbeugen

Wie möchte ich beerdigt werden? Je früher man diese Frage für sich selbst beantwortet und Vorkehrungen trifft, desto besser. Foto: Andrea Warnecke/dpa-mag

27.04.2021

Sterben wird jeder, das ist sicher. Doch mit dem Tod, gar mit der eigenen Beerdigung, mag sich kaum einer wirklich befassen. Dabei kann genau das sehr entlastend sein, glauben Fachleute. Im Vergleich zu anderen Ländern sei der Tod in Deutschland noch ein Tabu-Thema, sagt Barbara Till, Bestatterin in Berlin. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan und eine gewisse Offenheit etabliert, gleichwohl sei der Tod negativ behaftet. „Man schiebt ihn gerne von sich weg.“

„Es gibt Menschen, die wollen nicht darüber reden“, sagt auch Pfarrerin Stefanie Schardien. Das könne ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal stecke die irrationale Furcht dahinter, dass man den Tod herbeirede, wenn man sich mit dem Sterben beschäftige.

Andere machen sich im Vorfeld Gedanken, schreiben auf, was ihnen wichtig ist und wollen ihre Angehörigen dadurch entlasten. Schon Gedankenspiele könnten ausreichen, sagt Schardien. Zum Beispiel bei einem Spaziergang über den Friedhof zu schauen, was einem gefällt. „Es geht darum, den Gedanken an sich ranzulassen“, erklärt die Pfarrerin aus Fürth.

Online-Vorsorge-Kurse und Partys

Es sei noch nicht angekommen, dass man locker mit Freunden über sein eigenes Ende sprechen könne, unabhängig vom Alter, sagt Anne Kriesel. Sie hat die Online-Plattform Bohana gegründet und informiert dort über Trauer, alternative Bestattungen und Vorsorgemöglichkeiten.

Bestatterin Till wiederum hat Vorsorge-Partys ins Leben gerufen. In lockerer Atmosphäre kann jeder mit Freunden oder der Familie über den Tod sprechen. Till kommt als fachliche Unterstützung dazu. Die Themen sind verschieden: Welche Vollmachten sind sinnvoll, wie kann eine Beerdigung aussehen?

Unumkehrbare Entscheidungen

Aus Erfahrung weiß Till: „Die wirklichen Dramen entstehen zum Großteil, weil nichts geregelt und vorbereitet ist.“ Etwa weil bei unverheirateten Paaren dann auf einmal die Eltern zuständig sind und essenzielle Dinge entscheiden sollen, obwohl sie vielleicht seit Jahren gar kein enges Verhältnis mehr zu ihrem Kind hatten.

Die meisten kümmerten sich vorab um nichts, stellt auch Anne Kriesel fest. Dann säßen die Liebsten bei einem Bestatter oder einer Bestatterin, und wüssten nicht, ob der oder die Angehörige eine Erd- oder Feuerbestattung wollte.

Freiräume lassen

Eine Bestattungsverfügung kann hier helfen. Sie regelt, wie man konkret beerdigt werden möchte. Feuer-, See-, oder Erdbestattung? Wie sähe die ideale Trauerfeier aus?

Kriesel rät zu einem Notfall-Ordner, der den wichtigsten Papierkram enthält: Darunter etwa das Testament, die Sorgerechtsverfügung, eine Betreuungsvollmacht, eine Patientenverfügung, einen Bestattungsvorsorgeplan und eine Bankenvollmacht sowie diverse Kopien.

Checklisten finden Interessierte zum Beispiel bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, dem Verbraucherschutzministerium oder den Verbraucherzentralen.

Erinnerungen schaffen

Auch Erinnerungen lassen sich vor dem Ableben gestalten. Ob als Schatzkiste oder mit Briefen, den Lieblingsrezepten der Familie, den wichtigsten Büchern oder Stofftieren, am besten versehen mit einer kleinen Notiz.

Es muss natürlich nicht alles perfekt geplant sein. Schardien will hier vor allem den Druck rausnehmen. „Es kann auch eine schöne und würdige Beerdigung sein, wenn niemand etwas vorbereitet hat im Vorfeld.“

Die Beschäftigung mit dem Tod bereichert auch das eigene Leben, darin sind sich die Frauen einig. „Weil man es anders genießt und weiß, wie kostbar es ist“, sagt Till. Im Sterben habe dann jeder die Chance, sich wirklich diesem Prozess zu widmen. Denn der fordere die ganze Kraft. (dpa)

Was ist was? - Bestattungsverfügung und Bestattungsvorsorge

Zwischen einer Bestattungsverfügung und einer Sterbegeldversicherung oder einem Bestattungsvorsorgetreuhandvertrag besteht ein wesentlicher Unterschied.

Bestattungsverfügung

Mittels einer Bestattungsverfügung fixieren Vorsorgende schriftlich ihre persönlichen Wünsche für die eigene Bestattung. Jedoch besteht im Rahmen der Verfügung keine finanzielle Absicherung für die Bestattungskosten. Das liegt daran, dass das Dokument lediglich eine Willenserklärung ist, die Auskunft über die Bestattungswünsche eines Menschen gibt. Eine Bestattungsverfügung ist keine Police, keine Versicherung und kein Vertrag, der den finanziellen Aspekt einer Bestattung regeln würde. Daher gilt: Wer im Todesfall seine eigenen Bestattungswünsche gewahrt und finanziell abgesichert wissen will, kann dies beispielweise im Rahmen einer Sterbegeldversicherung oder eines Bestattungsvorsorgetreuhandvertrags regeln, nicht jedoch über eine Bestattungsverfügung.

Bestattungsvorsorge mit Treuhandvertrag

Bei einer Treuhandeinlage zahlt ein Kunde, entweder ausgehend vom Kostenvoranschlag des Bestatters oder einem gewünschten Bestattungsvorsorge-Paket zur geplanten Bestattung, Geld in einen Treuhandvertrag ein. Dieses wird als Treuhandvermögen sicher angelegt – kleiner positiver Nebeneffekt: Für diese Anlage werden keine Negativzinsen fällig. Im Todesfall wird dieses Treuhandvermögen dann an den Bestatter zur Erfüllung des Vertrages ausgezahlt.

Bestattungsvorsorge mit einer Sterbegeldversicherung

Eine weitere Option ist die Sterbegeldversicherung. Sie empfiehlt sich vor allem für jüngere Menschen. Hier werden monatlich kleine Beträge in eine Sterbegeldversicherung eingezahlt, die im Todesfall ausbezahlt wird. Gerade für Menschen mit kleineren Einkommen ist dies interessant. Es gibt in aller Regel keine Gesundheitsprüfung und das Geld wird nach entsprechenden Wartezeiten sofort nach Vertragsbeginn ausgezahlt. (Quelle: bestatter.de)

Entscheidung rechtzeitig treffen

Grabmalvorsorge

Die Zeiten in denen mehrere Generationen zusammenlebten sind wohl vorbei. Heute leben immer mehr Menschen alleine, sind kinderlos oder die Familien sind weit verstreut. Wenn keine Kinder oder Angehörigen da sind, die sich im Fall des eigenen Ablebens kümmern können, oder man einfach selbst die Entscheidung treffen möchte, was auf dem eigenen Grabstein stehen soll, gewinnt das Thema „Vorsorge“ eine immer größere Bedeutung.

Schon zu Lebzeiten kann die Gestaltung der Grabanlage über den Steinmetzbetrieb vor Ort festgelegt werden, ebenso alle anderen Steinmetzleistungen wie: Arbeiten bei Beisetzungen, Reinigung, Erneuerung von Inschriften und die Endabräumung. Auch die regelmäßige Überprüfung der Grabmale und des Zubehörs und erforderliche Instandhaltungsarbeiten können vereinbart werden.

Mit einer Genossenschaft im Steinmetzhandwerk als Vertragspartner werden dem Interessierten eine größtmögliche Sicherheit geboten, dass zum einen seine einbezahlte Vertragssumme gut verwaltet und angelegt wird und zum anderen die vereinbarten Leistungen in jedem Fall erfüllt werden.

Darüber hinaus kann die Grabmalvorsorge die Sicherheit geben, dass der Staat im Eintreten der Pflegeversicherung keinen Zugriff auf dieses Vermögen hat, wenn dieses gemäß der Rechtssprechung angemessen eingesetzt wurde. (steinmetzgrabmal.de)

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