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Tipps rund um Steuern und Versicherung Die Investmentsteuerreform

Seit Januar 2019 werden vom Fondsvermögen automatisch 15 Prozent Körperschaftssteuer auf Dividenden und Gewinne an das Finanzamt abführt. Foto: Christin Klose/dpa-mag
Seit Januar 2019 werden vom Fondsvermögen automatisch 15 Prozent Körperschaftssteuer auf Dividenden und Gewinne an das Finanzamt abführt. Foto: Christin Klose/dpa-mag
29.01.2019

Was sie für Anleger bedeutet - die wichtigsten Fragen und Antworten

Viele Fondssparer bekommen in diesem Jahr erstmals die Auswirkungen der Investmentsteuerreform zu spüren. Sie gilt seit 2018 und bezieht sich unter anderem auf Aktienfonds, Mischfonds sowie Immobilienfonds. Die wichtigsten Antworten dazu:

Was ändert sich für Fondssparer nun?

Zum einen müssen die Fonds automatisch vom Fondsvermögen jedes Jahr 15 Prozent Körperschaftssteuer auf Dividenden, Gewinne sowie deutsche Mieterträge aus offenen Immobilienfonds an das Finanzamt abführen. Die Fonds zahlen Anlegern geringere Kapitalbeträge aus. Als Ausgleich bekommen sie eine Teilfreistellung etwa für Dividenden und Gewinne aus Verkäufen. Zum anderen kommt nun die sogenannte Vorabpauschale erstmals zum Einsatz. Sie bezieht sich auf die Entwicklung von Investmentfonds aus dem Jahr 2018, die Erträge nicht oder nur zum Teil an Anleger ausschütten. Stattdessen werden Dividenden und andere laufende Erträge wieder in den Fonds angelegt. Experten sprechen von thesaurierenden Fonds. Viele Anleger dürften dies unmittelbar auf ihrem Konto bemerken - durch eine Abbuchung wegen „Fondsbesteuerung“.

Was ist die Vorabpauschale genau?

Es ist ein fiktiver Betrag, der bei thesaurierenden Fonds versteuert wird, erklärt die Stiftung Warentest. Laut dem Fondsverband BVI behalten die Depotbanken die auf die Vorabpauschale anfallenden Kapitalertragssteuern ein. Mit der vorweggenommenen Besteuerung will der Gesetzgeber gewährleisten, dass Anleger auch bei thesaurierenden Fonds jährlich einen Mindestbetrag versteuern müssen.

Die Vorabpauschale errechnet die Depotbank in Deutschland jeweils am Anfang des Jahres für das jeweilige Vorjahr. Sie ermittelt zunächst den Basisertrag des Fonds. Dieser ergibt sich laut BVI so: 70 Prozent des jährlichen Basiszinses multipliziert mit dem Wert der Fondsanteile zu Beginn des vorausgegangenen Jahres. Für 2018 beträgt er 0,87 Prozent. Die Depotbank zieht vom so errechneten Basisertrag die Ausschüttung des vorherigen Kalenderjahres ab. Die Differenz ist die Vorabpauschale, die Anleger versteuern müssen.

Gibt es Ausnahmen?

Bei Aktien-, offenen Immobilien-, und bestimmten Mischfonds wird nicht die komplette Vorabpauschale versteuert, erklärt der BVI. Es gebe sogenannte Teilfreistellungen: Bei Aktienfonds sind 30 Prozent der Erträge steuerfrei, 15 Prozent bei Mischfonds, die mindestens 25 Prozent ihres Wertes in Aktien anlegen. Bei Immobilienfonds zahlt man für 60 bis 80 Prozent der Erträge keine Abgeltungssteuer.

Hat der Anleger keinen ausreichenden Freistellungsauftrag oder keine Nichtveranlagung beantragt, beträgt die zu zahlende Abgeltungsteuer plus Soli (26,375 Prozent) also 22,49 Euro.

Wann wird die Vorabpauschale grundsätzlich fällig?

Fällig wird sie nicht in dem Kalenderjahr, für das sie berechnet wird, sondern im Folgejahr. Die Reform soll das Verfahren des Steuerabzugs erleichtern - oft stehe Anlegern noch ein voller Sparer-Pauschbetrag zur Verfügung. Dieser liegt bei 801 Euro für Singles sowie bei 1602 Euro für Verheiratete. Den Maximalbetrag kann man auf mehrere Kreditinstitute aufteilen. Dieser werde mit der Vorabpauschale verrechnet, erklärt der Bankenverband. Wird er überschritten, führt die Bank laut BVI Abgeltungssteuer ab.

Wird die Vorabpauschale in jedem Fall angesetzt?

Wenn der Betrag auf dem Verrechnungskonto nicht ausreicht, darf die Depotbank laut BVI die erforderlichen Steuerbeträge für die Vorabpauschale direkt vom Konto des Sparers abbuchen sowie Fondsanteile verkaufen. Das geht ohne dessen Einwilligung. Zudem kann sie den Dispokredit für Abbuchungen nutzen.

Kann der Sparer der Abbuchung widersprechen?

Laut BVI ist dies möglich. Jedoch nur im Hinblick auf die Nutzung eines Dispos. Der Widerspruch habe nur Wirkung für die Zukunft. Hat die Depotbank bereits Beträge für die Steuer abgebucht, könne der Sparer das Geld nicht nachträglich durch Widerspruch zurückholen.

Was gilt steuerlich bei einem Verkauf der Fondsanteile?

Verkauft ein Sparer Mitte 2020 Fondsanteile, zieht die Depotbank vom Gewinn des Verkaufes die Vorabpauschalen für 2018 und 2019 ab. Es gibt laut Bankenverband keine Doppelbesteuerung. Dann berechnet die Depotbank für das erste Halbjahr 2020 keine Vorabpauschale. Denn nicht ausgeschüttete Erträge des Fonds sind im Verkaufsjahr bereits im Gewinn der Veräußerung enthalten. (dpa)

Rechtsschutz

Justizia arbeitet nicht umsonst: Versicherung zählt

Foto: Alexander Kirch/123rf.com/Itzehoer
Foto: Alexander Kirch/123rf.com/Itzehoer
Wer heute vor Gericht geht, sollte finanzielle Rücklagen haben - oder eine geeignete Rechtsschutzversicherung. Denn juristische Auseinandersetzungen können teuer werden: Bei einem Streitwert von 2.500 Euro entstehen über zwei Instanzen Kosten bis zu 5.000 Euro. Die muss dann der Verlierer des Prozesses tragen. Da jeder von einem Tag auf den anderen mit einem Rechtsstreit konfrontiert werden kann, ist eine Rechtsschutzversicherung mehr als empfehlenswert. Worauf sollte geachtet werden? Thiess Johannssen von den Itzehoer Versicherungen: „Im Fall der Fälle ist es wichtig, schnell einen Gesprächspartner zu finden. Wir bieten deshalb rund um die Uhr einen telefonischen Rechtsrat, der schnell und unkompliziert weiterhilft.“ Was viele nicht wissen: Es gibt heute Familienversicherungen, die den Rechtsschutz für vier Generationen sicherstellen, weltweit Onlinekäufe absichern, die Kosten für sozialrechtliche Streitigkeiten übernehmen und sogar bei Urheberrechtsverletzungen im Internet sowie bei Vorsorgeverfügungen helfen.

Diese Versicherung brauchen Wintersportler unbedingt

Tipp: Auch für Reisen ins Ausland absichern

Ob auf der Piste oder in der Loipe - beim Wintersport kann schnell etwas passieren. Foto: cr
Ob auf der Piste oder in der Loipe - beim Wintersport kann schnell etwas passieren. Foto: cr
Vor dem Start in den Winterurlaub ist ein Blick in den Versicherungsordner ratsam. Nicht fehlen sollte dabei die Auslandsreisekrankenversicherung, erklärt der Bund der Versicherten (Bdv) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Der Grund: Sie übernimmt nach einem Skiunfall im Ausland die Kosten für ärztliche Behandlungen sowie den Krankenrücktransport.

Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt die Behandlungskosten bestenfalls in der üblichen Höhe des Urlaubslandes, maximal was in Deutschland regulär wäre. Die Auslandsreisekrankenversicherung übernimmt die entstehende Differenz. (dpa)

Tippn

Berufliche Auslandsreise: Steuerpauschalen

Wer beruflich viel unterwegs ist, kann zusätzliche Verpflegungskosten von der Steuer absetzen. Voraussetzung für die Pauschalen ist, dass Arbeitnehmer mindestens acht Stunden am Tag beruflich unterwegs sind und nicht an ihrem Stammarbeitsplatz tätig sind. Bei Arbeitseinsätzen innerhalb von Deutschland beträgt die Pauschale 12 Euro, erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Bei mehrtägigen Dienstreisen liegt sie für den An- und Abreisetag ebenfalls bei 12 Euro, und für weitere Tage mit einer Abwesenheit von 24 Stunden gibt es 24 Euro. Findet die Tätigkeit im Ausland statt, können die Beträge deutlich über diesen Sätzen liegen. (dpa)

Keine Erbschaftssteuer für bewohntes Grundstück

Die Steuerbefreiung gilt nur für das Grundstück, auf dem die Immobile der Familie steht. Foto: Archiv
Die Steuerbefreiung gilt nur für das Grundstück, auf dem die Immobile der Familie steht. Foto: Archiv
Erben ein Ehepartner oder die Kinder ein Haus, das sie weiterhin zu eigenen Wohnzwecken nutzen, fällt dafür in der Regel keine Erbschaftsteuer an. Dies gilt unabhängig vom Wert der Immobilie. Allerdings ist diese Steuerbefreiung an strenge Voraussetzungen geknüpft.

Immobilienbesitzer, die mehrere Grundstücke besitzen, müssen wissen: Die Steuerbefreiung gilt nur für das Grundstück, auf dem die Immobile der Familie steht - nicht etwa für ein zweites angrenzendes Flurstück. Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichts Düsseldorfs hervor (Az.: 4 K 1063/17). Über den Fall berichtet der Bund der Steuerzahler (BdSt).

Eine Frau erbte von ihrem verstorbenen Ehemann zwei Grundstücke. Diese waren im Grundbuch auf verschiedenen Blättern eingetragen. Auf dem einem Grundstück befand sich das Familienwohnhaus, das die Witwe weiter bewohnte. Das zweite Grundstück grenzte unmittelbar an die Fläche. Es war zwar unbebaut, aber mit dem ersten Grundstück zusammen eingezäunt. Obwohl beide Flurstücke äußerlich eine Einheit darstellten, gewährte das Finanzamt der Frau nur für das bebaute Grundstück die Befreiung.

Nach Auffassung des Finanzgerichtes handelte es sich um zwei selbstständige Einheiten im Grundbuch. Die spezielle Steuerbefreiungsregel galt demnach nur für das bebaute Grundstück. Isabel Klocke vom BdSt rät: Wer zwei Grundstücke hat und eines nur als Garten nutzt oder für die Bebauung durch die Kinder zurückhält, sollte sich mit dem Fall beschäftigen. Unter Umständen kann bereits zu Lebzeiten eine Übertragung eines Grundstücks sinnvoll sein, um Erbschaftsteuer zu vermeiden. (dpa)

Tipp

Kosten für Heilmethode absetzbar - Attest kann reichen

Steuerzahler können unter bestimmten Umständen auch Kosten für eine wissenschaftlich nicht anerkannte Heilmethode steuerlich geltend machen. So reicht es als Nachweis, wenn sie eine kurze Stellungnahme des Amtsarztes vorlegen.

Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichtes Rheinland-Pfalz hervor, wie das Gericht mitteilte. (Az.: 1 K 1480/16) (dpa)

Seit 2005 müssen Rentner Steuern zahlen

Altersentlasungsbetrag: Wer über 64 Jahre alt ist, kann sein zu versteuerndes Einkommen senken

Seit 1. Januar 2005 gilt das Alterseinkünftegesetz. Demnach müssen Rentner Steuern zahlen, wenn sie mit ihrem zu versteuernden Einkommen über dem Grundfreibetrag liegen. Das sind für das Jahr 2018 insgesamt 9.000 Euro für Alleinstehende und 18.000 Euro für Verheiratete. Weil jedem Rentner der Rentenfreibetrag zusteht, muss nicht jeder Euro versteuert werden, der über dem Grundfreibetrag liegt. Wie viel Steuern tatsächlich zu zahlen sind, hängt vom Renteneintritt ab:

• Wer 2005 und früher in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Rente versteuern.
• Danach steigt der Wert erst um zwei Prozentpunkte im Jahr und ab 2020 um einen Prozentpunkt – also ab 2006 sind dann 52 Prozent der Rente steuerpflichtig.
• Ab 2019 sind es 78 Prozent.
• Ab 2040 wird jeder Rentner seine Rente zu 100 Prozent versteuern müssen.

Nicht nur die Rente, auch alle übrigen Einkünfte werden besteuert, zum Beispiel aus einer Vermietung. Genau wie Arbeitnehmer können aber auch Rentner bestimmte Kosten in der Steuererklärung eintragen. Das Finanzamt zieht diese Kosten dann vom Jahreseinkommen ab, nur der Rest wird versteuert. Absetzbar sind unter Umständen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Arzt- und Medikamentenrechnungen, Krankheits- und Pflegeheimkosten. Auch wichtig für Rentner ist der Altersentlastungsbetrag: Wer über 64 Jahre alt ist, kann damit sein zu versteuerndes Einkommen um maximal 1.900 Euro im Jahr senken. Wie hoch der Altersentlastungsbetrag ausfällt, hängt vom Geburtsjahr ab. Für alle, die nach dem 1. Januar 1975 geboren sind, entfällt dieser Betrag allerdings.

Sie haben noch Fragen? Frau Ines Hollstein leitet eine von rund 3.000 VLH-Beratungsstellen in ganz Deutschland und steht Ihnen gerne Montag bis Donnerstag zwischen 10.00 Uhr und 17.00 Uhr zur Verfügung in der Kurt-Tucholsky-Straße 30 in 16831 Rheinsberg oder telefonisch 033931/2174 bzw. via E-Mail unter ines.hollstein@vlh.de.Weitere VLH-Beratungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie unter www.vlh.de.

Die Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH): Wir sind Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein und beraten Mitglieder im Rahmen des § 4 Nr.11 StBerG. Ines Hollstein leitet die VLH Beratungsstelle in Rheinsberg.

Marlies Walda
Bärbel Oschmann
Steuerberaterin Heidrun Brandt
Versicherungsbüro Maik Strecker
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