Häuser im Wandel: Bölke Villa in Neuruppin Warum nicht mal ein Haus aus Holz?

Die 1912 im klassizistischen Stil erbaute Bölke-Villa gehört zu den imposantesten Bauwerken der Stadt Neuruppin. Jetzt wird sie aufwändig auf private Initiative hin in Stand gesetzt. Fotos (2): Steven Wolter
Die 1912 im klassizistischen Stil erbaute Bölke-Villa gehört zu den imposantesten Bauwerken der Stadt Neuruppin. Jetzt wird sie aufwändig auf private Initiative hin in Stand gesetzt. Fotos (2): Steven Wolter

Ehepaar Larretgere erwarb die Neuruppiner Bölke-Villa und ließ das historisch wertvolle Gebäude aufwendig sanieren

Relativ spontan ist Philippe Larretgere vor ein paar Jahren über die Online-Annonce auf die herrschaftliche Bölke-Villa in Neuruppin gestoßen. Durch seinen Onkel Krafft Freiherr von dem Knesebeck hatte er bereits eine persönliche Verbindung zu Neuruppin. Sein Onkel hat in Karwe den Familienhof zurückgekauft und dort Wochenendhäuser in den alten Scheunen entstehen lassen.

Vor ein paar Jahren wurde auch Philippe Larretgere in Karwe fündig und erwarb einen Teil der alten Schäferei. Diese war vorher im Besitz von Ursula Zänker, eine Künstlerin mit ehemals eigener Töpferei. In der anderen Hälfte der Schäferei entsteht weiterhin beeindruckende Kunst, die unter anderem das Stadtbild von Neuruppin prägt. Wie das 17 Meter hohe Stahlkunstwerk „Parzival am See“, die von Matthias Zágon Hohl-Stein gestaltet wurde. Die Bölke-Villa wirkte auf Philippe Larretgere und seine Frau wie ein lohnendes und zugleich schönes Investitionsobjekt. Und zusätzlich teilen sie die Einschätzung, wie wahrscheinlich auch viele andere Neuruppiner, dass es wirklich schade wäre, wenn diese Villa weiterhin unbewohnt bliebe.

Da die beiden schon etwas Erfahrung mit der Sanierung einer Wohnung aus der Gründerzeit und eines Hauses im Jugendstil haben, sind sie vor der denkmalgeschützten Bölke-Villa nicht zurückgeschreckt, auch wenn diese deutlich größer ist als vorherige Sanierungsprojekte der Familie. Sie sagen, dass sie schon immer eine gewisse Affinität zu alten Gebäuden hatten und somit die Bölke-Villa auch ganz bewusst gewählt haben. Ein weiterer Grund ist auch, dass sie bisher immer sehr gute und unkomplizierte Erfahrungen mit dem Denkmalschutzamt gemacht haben. Auch bei der Bölke-Villa gab es diesbezüglich neue Erfahrungswerte. Es stand dann schnell fest, dass sie dieses Gebäude wieder zum Leben erwecken werden.

Historische Bausegmente erforderten eine langwierige Sanierung

Philippe Larretgere und seine Frau haben sich die Villa mehrfach angeschaut. Vom ersten Moment anbestand die Idee Mietwohnungen in dieser Villa entstehen zu lassen. Dies begründete sich unter anderem darin, dass sie zur Zeit des Erwerbs in Shanghai lebten. Es war folglich kein Wunsch, diese Villa selbst beziehen zu wollen.
  
Die eindrucksvolle Villa steht unter Denkmalschutz.
Die eindrucksvolle Villa steht unter Denkmalschutz.
Ein kurzer Abriss in der Historie zeigt, dass sie im Jahr 1912 von Ernst Bölke gemeinsam mit seinem Schwiegersohn erbaut wurde. Doch schon in den 30er Jahren zog die ganze Familie nach Schleswig-Holstein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die herrschaftlichen Räume zum ersten Mal aufgeteilt, um kleine Wohnungen zu schaffen. Um die historisch wertvolle Bausubstanz im Haus kümmerte man sich später zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) kaum. Da kam es schon einmal vor, dass eine wunderschöne Stuck-Decke einfach durch eine neu hochgezogene Wand geteilt wurde.

1993 wurde die Villa dann zum Besitz der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG), die sich nicht an die Sanierung wagte. Erst durch den Verkauf an Philippe Larretgere kehrte wieder Leben ins Haus zurück. Die denkmal-rechtliche Genehmigung hat der neue Bauherr im Februar 2019 bekommen und dann wurde zeitnah mit dem Umbau begonnen.

Eine der größten Herausforderungen stellte sich ziemlich zu Beginn der Sanierung: Die Dokumentation und Bestandsaufnahme der Villa für die Denkmalschutzbehörde. Beispielsweise musste jedes einzelne Fenster von innen und von außen, offen und geschlossen fotografiert werden. Dabei mussten die entstandenen Fotos auch gewissen Ansprüchen gerecht werden. Jede Farbe musste vor der Nutzung untersucht werden, für jeden Raum musste es ein Konzept geben. Im Grunde musste jeder einzelne Hammerschlag genehmigt werden, was eine sehr zeitintensive Aufgabe darstellte. Wenn man so will, musste jeder einzelne Hammerschlag genehmigt werden - eine sehr zeitintensive Aufgabe.
  
Die Denkmalschutzbehörde war anfangs eher misstrauisch, jedoch baute das Paar ein Vertrauensverhältnis zu den Entscheidern auf und wusste mit ihrer Idee zu überzeugen. Sie machten klar, dass sie an einer originalgetreuen Erhaltung des Gebäudes interessiert waren.

„Es war nie das Ziel wesentliche Veränderungen am Haus vorzunehmen, sondern die Immobilie sollte in ihrer Ursprünglichkeit bestehen bleiben“, versichert der Eigentümer. Die originalen Grundrisse wurden nicht verändert, was durch die zentrale Lage des Treppenhauses erleichtert wurde. So war es möglich, vier getrennte Eingänge zu den Mietwohnungen zu bauen.

Philippe Larretgere erklärte den Behörden auch, dass die Villa keine rentable Investition ist. Jemand aus der Baubranche würde das Objekt wohl kaum so liebevoll sanieren. Das Paar selbst sieht das Projekt als den Erhalt von einem historischen Gebäude und auch als sichere Geld-Anlage.

Was in der Zeit der DDR und danach verändert wurde, haben die Bauunternehmen zurückgebaut. Das hinterließ keine Schäden. Jedoch schadete dem Objekt der lange Leerstand aller Räume. Auch die eher stiefmütterliche Behandlung von der NWG war nachteilig. Zum Beispiel wurde das Dach zu spät saniert, nachdem bereits Wasserschäden im Dachgeschoss entstanden waren. Das Dachgeschoss wurde noch nicht saniert, da auf die baurechtliche Genehmigung gewartet wird. Dort soll neuer Wohnraum geschaffen werden. In ferner Zukunft könnte dann aus dem Dachgeschoss noch eine fünfte Mietwohnung entstehen, welche über eine eigene Wendeltreppe von der Bahnhofstraße aus direkt bis unter das Dach führt.

Insgesamt hat das Haus die über 107 Jahre sehr gut überstanden. Es ist nicht viel kaputt gemacht worden. In dem Haus ist noch sehr viel erhalten und all das wurde aufgearbeitet, wie beispielsweise die Türen und Fenster. Kurz vor dem Kauf wurden Türbeschläge aus der Beletage, das bevorzugte Geschoss eines adligen oder großbürgerlichen Wohnhauses, gestohlen. Dies war für den neuen Eigentümer sehr ärgerlich.

Ein extremer Aufwand war es über Monate hinweg die Stuckverzierungen an den Decken zu sanieren, die Fassade wieder herzustellen und die alten Außentüren aufzubereiten. Das bauzeitliche Parkett wurde ebenfalls aufgefrischt. Es wurde alles sehr hochwertig saniert. Benutzt wurde dazu Kalkputz (historisch passend), diffusionsoffene Silikatfarben, Fußbodenheizung und massives Eichenholz, dies an den Stellen, wo kein Parkett war. Angelehnt an den historischen Bestand wurden auch die neuen Naturstoffe ausgewählt. Es ist ein sehr herrschaftliches Haus und dementsprechend sollen auch die neuen Wohnungen dazu passen.

Sehr herrschaftlich fällt auch die Größe der Beletage mit circa 270 Quadratmetern aus. Nach längeren Überlegungen wurde eine neue Zwischenwand gezogen. Diese neue Größe soll einen breiteren Interessentenkreis ansprechen. Sie wurde konzeptionell in zwei Wohnungen getrennt, was durch die getrennten Eingänge vom Treppenhaus auch wunderbar funktioniert.

Die Handwerker sowie der Bauherr werden immer wieder von Leuten angesprochen, die in diesem Haus einmal gelebt haben und gerne noch einmal einen Blick hineinwerfen möchten. Beispielsweise gibt es eine Interessentin, die sich regelmäßig meldet und eine Verbindung zu der Villa aufgebaut hat, da ihre Schwester in den Räumen eine Schneiderausbildung absolvierte.

Für die Bölke-Villa gab es keine denkmal-spezifischen Förderungen. Nur durch die Verbesserung der Energiebilanz gab es eine kleine Förderung von der Förderbank KfW. Sie gewährte einen günstigeren Kredit. „Es ist wirklich enttäuschend, dass es für die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden keine Unterstützung aus der Politik gibt“, bemängelt der Bauherr.

Auf die Frage, ob Philippe Larretgere theoretisch noch einmal ein denkmalgeschütztes Gebäude sanieren würde, antwortete er, dass die Dokumentation zu zeit- und kostenintensiv ist. Es ist wohl kein Zufall, dass dieses Haus in einem so schlechten Zustand war, bevor die Familie es gekauft hatte. Die Politik sollte sich mehr dafür engagieren, schöne alte Häuser zu erhalten.

Philippe Larretgere freut sich sehr, dass die Villa bald bezogen werden kann. Coronabedingt gingen nur etwa eineinhalb Monate „verloren“. Aber größere Verzögerungen gab es während der kompletten Bauphase nicht.

Wenn die Baumaßnahmen vorüber sind, ist ein kleines Event mit den beteiligten Unternehmen, dem Denkmalamt, der NWG und den beteiligten Handwerkern geplant. Ob das coronabedingt möglich ist, bleibt jedoch abzuwarten.

Die insgesamt vier Wohnungen mit jeweils auch einem Kellerraum, Stellplatz und einem großen Gemeinschaftsgarten werden ab dem 1. August vermietet. Interessierte können sich gerne bei Philippe Larretgere persönlich melden.
  

Für zusätzliche Auskünfte

Für die Vermietung dieser exklusiven Mietwohnungen zeichnet die Firma Bastgen Berlin Immobilien verantwortlich. Seit 2015 ist Bettina Bastgen auch mit einem Büro in Brandenburg im Neuruppiner Ortsteil Karwe ansässig. Bei Interesse können Sie sich auf eine Liste setzen lassen. Interessenten melden sich unter:

Bettina Bastgen
Bastgen Berlin Immobilien
Lange Strasse 60
Karwe bei Neuruppin
Telefon (033925) 909 071
Mobil (0173) 76 58 181
Mail: bastgen@bastgen-berlin.com
www.bastgen-berlin.me
  
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