35 Jahre Märkische Oderzeitung

Wie die Südwest Presse die MOZ übernahm

Rückblick Zwischen Treuhand und Turbulenzen - wie 1991 ein neuer Verlag an der Oder entstand.

Ende 1994 wurde die Treuhand geschlossen. Die Superbehörde diente Bundesregierung und Wirtschaftskonzernen als Sündenbock beim Ausverkauf der DDR. 1991 wurde dort der Verkauf der DDR-Zeitungen abgewickelt. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

25.02.2025

Lange wartete man in Frankfurt (Oder) auf die Entscheidung der Treuhand - doch das Ergebnis kam für viele unerwartet. Am 15. April 1991 erhielt die Südwest Presse Ulm den Zuschlag für den Kauf des Märkischen Verlags- und Druckhauses mit der Märkischen Oderzeitung mit ihren 175 000 Abonnenten und einem aktuellen Jahresumsatz von 48 Millionen D-Mark.

Das mittelständische Verlagshaus aus Baden-Württemberg, unter der Leitung des Verlegers Eberhard Ebner, setzte sich gegen zehn namhafte Mitbewerber durch, darunter Burda, der Münchner Merkur und Springer. Die Südwest Presse gehörte zu den größten Regionalzeitungen Deutschlands und war eine viel beachtete liberale journalistische Stimme im Südwesten Deutschlands. Überraschend war die Entscheidung dennoch, weil das Hamburger Heinrich-Bauer-Haus, mit dem bereits eine Kooperation bestand, leer ausging - trotz einer Investition von 15 Millionen D-Mark in die Märkische Oderzeitung.

Die Entscheidung der Treuhand fiel in eine Zeit grundlegender Umbrüche in der ostdeutschen Presselandschaft. Westdeutsche Verlage hatten seit 1990 zunehmend Einfluss auf ehemalige DDR-Zeitungen gewonnen. Während große Medienkonzerne sich in Leipzig, Magdeburg oder Rostock durchsetzten, entschied sich die Treuhand in Frankfurt (Oder) für ein unabhängiges, großes mittelständisches Verlagshaus.

Das Ziel der Behörde war klar: eine wirtschaftlich stabile Zukunft für die Regionalzeitungen zu sichern - auch durch hohe Verkaufserlöse. Insgesamt nahm die Treuhand durch den Verkauf von zehn ehemaligen SED-Pressehäusern rund 850 Millionen D-Mark ein.

Medienpolitisch war das Ergebnis eindeutig, so damals der Spiegel: Die Treuhand entschied über den Verkauf ostdeutscher Zeitungen - mit klarer politischer Tendenz. Große westdeutsche Verlagshäuser, meist konservativ geprägt, dominierten die Vergabe. Kritiker sahen darin eine verpasste Chance für eine basisdemokratische Medienlandschaft. Hohe Verkaufspreise und politischer Einfluss, etwa durch das Bundeskanzleramt, spielten eine zentrale Rolle, was bereits damals für erhebliche Diskussionen sorgte. Die Verteilung können sich manche Pressemanager nur damit erklären, dass bei der Treuhand die „Machtbalance zwischen Regierung und Opposition gefehlt hat“.

Unternehmen aus der Region

Erfolgreichster Neugründer war der Verleger Dirk Ippen, zu dessen ostdeutschem Medienbesitz die drei miteinander verbundenen Blätter „Oranienburger Generalanzeiger“, „Gransee-Zeitung“ und „Ruppiner Anzeiger“ gehören. Diese Lokalzeitungen im struktur- und anzeigenschwachen ländlichen Raum legten bei den Anzeigenerlösen gegen den Trend zu. Der Grund für die hohen Umsätze könnte darin liegen, dass es den Zeitungen anders als der neu gegründeten Konkurrenz verlegerisch gelungen ist, eine bessere Leser-Blatt-Bindung zu erreichen.

Doch was bedeutete der Verkauf für die MOZ? Zunächst herrschte Unsicherheit, doch schnell zeigte sich: Die Südwest Presse brachte nicht nur finanzielle Mittel, sondern vor allem ein echtes verlegerisches Engagement mit. Während andere Käufer vor allem auf Marktmacht setzten, konzentrierte sich die Südwest Presse auf den Aufbau einer starken Regionalzeitung.

Die Lokalredaktionen wurden ausgebaut, das Vertriebs- und Anzeigennetz verstärkt, eine Anzeigenzeitung in den Markt gebracht, die redaktionelle Unabhängigkeit gefördert.

Diese mittelständische Prägung erwies sich als Glücksfall für die Märkische Oderzeitung. Die Ulmer verfolgten langfristige Ziele, setzten auf lokale und regionale Berichterstattung und schufen so eine stabile Basis für die Zukunft des Blattes. Die Entscheidung der Treuhand, die zunächst für Überraschung sorgte, wurde damit rückblickend zu einem entscheidenden Impuls für die Entwicklung der Märkischen Oderzeitung.

In einer Zeit, in der große Medienhäuser die Presselandschaft dominierten, bewies die Südwest Presse, dass auch ein mittelständisches Unternehmen eine starke Zeitungskultur etablieren kann. Der verlegerische Ansatz von Eberhard Ebner setzte auf Nachhaltigkeit - und das zahlt sich bis heute aus.
Heinz Kannenberg


Liebe Leserinnen und Leser

Die MOZ feiert in diesem Jahr ihren 35. Geburtstag. Wir nehmen dieses Jubiläum als Anlass, die Geschichte der Zeitung noch einmal Revue passieren zu lassen. Im zweiten Teil dieser Serie, die monatlich in der Tageszeitung erscheint, blicken wir zurück auf die Jahre 1990 bis 1992. Heinz Kannenberg rekonstruiert, wie die Südwest Presse die MOZ kaufte und Bernd Röseler erinnert sich an ein legendäres Interview, bei dem Angela Merkel den Kaffee servierte. Viel Spaß beim Lesen!


Meilensteine der Jahre

1991
10. April: Im Automobilwerk Eisenach rollt der letzte PKW der Marke Wartburg vom Band.
14. Mai: In seiner ersten Arbeitssitzung im Berliner Reichstagsgebäude beschließt der Deutsche Bundestag Steuererhöhungen, u.a. den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost.


Meilensteine der Jahre

27. September: Die Märkische Oderzeitung zieht in Frankfurt (Oder) vom Grenzübergang Stadtbrücke in den Kellenspring 6 um.
1992
1. Januar: Das Stasi-Unterlagengesetz, nach dem Opfer des DDR-Staatssicherheitsdienstes Einblick in die über sie geführten Akten nehmen können, tritt in Kraft.
13. Juli: Das Bundesverfassungsgericht weist Klagen von Vertriebenen gegen den deutsch-polnischen Grenzvertrag zurück und erklärt die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze für verfassungsgemäß.
12. November: Vor dem Berliner Landgericht beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, und weitere SED-Politiker.