30 Jahre „Alte Dampfbäckerei Seelow e. V.“

Jubiläum mit Vorgeschichten

Alte Dampfbäckerei Seelow Förderverein begeht 30-jähriges Bestehen. 

Jedes Jahr lockt die Kultursommernacht Hunderte ins Kirchviertel. Geboten werden Musik, Ausstellung, Feuershows und mehr. In diesem Jahr gibt es am 14. August die 25. Auflage. Fotos: Doris Steinkraus

24.03.2026

Jubiläen haben meist eine Vorgeschichte, auch das des Fördervereins Alte Dampfbäckerei. Er wurde im Mai 1996 gegründet. Es fanden sich engagierte Frauen und Männer, die in Seelow einen weiteren kulturellen Anlaufpunkt schaffen wollten. Erste Vorsitzende war Jaqueline Hanebutt. Der Gründung vorausgegangen war 1992 ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, den bis 1989 als Warenlager der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bäckerhandwerks genutzten und dann leerstehenden Klinkerbau im Kirchviertel zu sanieren. Das Ziel war, dort ein sozio-kulturelles Kulturzentrum zu etablieren. Dass es wiederum zu diesem Beschluss kam, hatte ebenfalls eine Vorgeschichte. 

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Der Keramikmeister Norbert Berwald aus Neuentempel bot nach der Wende in seiner heimischen Werkstatt Interessierten an, sich in einem Zirkel der Töpferei zu widmen. Die Nachfrage war enorm. Norbert Berwald suchte Verbündete in der Stadt, um das Zirkelangebot erweitern und in die Kreisstadt verlagern zu können. Er fand bei der ersten frei gewählten Bürgermeisterin, Helga Seiler, sofort eine Verbündete. Sie setzte sich umgehend dafür ein, dass in Seelow am 4. Februar 1993 eine offene Keramikwerkstatt eingerichtet wurde, und zwar in einem Raum auf dem ehemaligen Dienstleistungshof.

Im September 1997, zum Stadtfest, konnte Einweihung gefeiert werden. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon viele Gespräche zwischen der Stadtverwaltung unter Regie von Bürgermeister Udo Schulz und dem Förderverein, dessen Vorsitz Marion Hahn übernommen hatte, bezüglich der künftigen Trägerschaft. Die Stadt litt unter großer Finanznot. Es wurden Wege gesucht, Geschaffenes dennoch zu erhalten. Der Verein stellte sich der Herausforderung und übernahm per Mitgliederbeschluss ab 1. Januar 1998 die Trägerschaft über die Begegnungsstätte. So ist es bis heute geblieben.

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Die Alte Dampfbäckerei ist längst für die Seelower und viele Gäste ein Ort geworden, der immer wieder interessante Veranstaltungen anbietet, in dem Menschen ihrem Hobby nachgehen können, und der auch Treffpunkt für andere Vereine, Organisationen und Privatpersonen ist. Und das nicht nur in einem besonderen architektonischen Ambiente, sondern auch fast immer umgeben von Kunst. Ausstellungen gehören seit 1998 zum Jahresprogramm. Der Bildhauer Jannulis Tembrides aus Wulkow bei Lebus gestaltete unter dem Motto „Mikrokosmos“ im April 1998 die erste Ausstellung. Unzählige Künstler haben in den zurückliegenden Jahren hier ihre Arbeiten gezeigt, wie etwa Karl-Gotthard Niedlich, Waltraud Simon, Sylvia Hagen, Bernd Finkenwirth, Christine Hielscher, Erika Stürmer-Alex, Ehrhard Thoms, Sabine und Peter Rossa, Gert Dunker oder Petra Schramm.

Auch Akteure des Mal- und Grafikzirkels der Alten Dampfbäckerei unter Leitung von Christina Kloke zeigen regelmäßig ihre Arbeiten. Sie sind zudem seit Jahren ein wichtiger Brückenbauer zu polnischen Hobbymalern in Seelows Partnerstadt Miedzychod. Lang ist auch die Liste von Lesungen, Konzerten, Themenabenden, Kabarettaufführungen und Modenschauen. Reinhard Lakomy stellte hier seine Autobiografie vor, Eulenspiegelautor Peter Ensikat sorgte für viele Lacher. Gisela Steineckert und Heinz-Florian Oertel gestalteten Leseabende, es gab Buchpremieren. Im August 2024 erlebte das Haus ein Novum. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz kam zu Besuch. Er zeigte sich angetan von dem Kulturzentrum mitten in der Stadt.

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Neben dem ganzjährigen Betrieb der Keramikwerkstatt gab es im Laufe der Jahre zudem unzählige Schülerprojekte im Haus. Auch Umschüler sowie Selbsthilfe- und Behindertengruppen nutzten und nutzen bis heute die Angebote.

Ein Zeichen für Toleranz und Versöhnung setzen seit Jahren die Lesungen zur Pogromnacht. Im vergangenen Jahr gab es eine vielbeachtete Aktion im Gedenken des 80. Jahrestages der Atombombenabwürfe in Japan. Mehr als 10 000 Papier-Kraniche als Symbol des Friedens wurden gefaltet, sie schmücken bis heute Einrichtungen in der Stadt.

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Mit Spannung erwartet wird die jährliche Kultursommernacht, die in diesem Jahr ihre 25. Auflage erlebt. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde wird immer wieder ein ansprechendes Programm auf die Beine gestellt. „Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer im Hintergrund könnten wir das nicht bewerkstelligen“, betont Petra Stadler, die seit 2022 den Verein führt. Als einstige Citymanagerin hat sie zahlreiche Kontakte geknüpft und nutzt diese, um jetzt als Ruheständlerin die Angebote im Haus zu sichern und zu erweitern. Das Jubiläum sieht sie vor allem auch als Gelegenheit, um all jenen zu danken, die den Bestand der Begegnungsstätte über all die Jahre gesichert haben. 

„Ich denke da vor allem an die Stadtverwaltung und die Abgeordneten“, betont Petra Stadler. „Ohne ihr Bekenntnis zu unserem Haus hätten wir es nicht bis heute offenhalten können.“ Immer wieder gab es Zeiten, in denen die Weiterführung aufgrund der finanziellen Situation in der Stadt am seidenen Faden hing. 2019 wurde das Haus mit Stadtverordnetenbeschluss an einen Privatinvestor verkauft. Viele befürchteten das Aus für die Einrichtung. Doch der Investor hielt sich an das, was er in den Verhandlungen mit Bürgermeister Jörg Schröder zugesichert hatte. 

Zur 30. Keramikausstellung im Dezember 2024 konnte der neue Bürgermeister Robert Nitz verkünden, dass die Stadt das Haus zurückerworben hat. Die Einrichtung sei ein Schatz für die Stadt und soll weiter ein offenes Kulturzentrum bleiben. „Dafür sind wir sehr dankbar. Wir sehen damit auch die jahrelange Arbeit des Vereins anerkannt und gewürdigt“, so Petra Stadler. Sie dankt ebenso der Sparkasse Märkisch-Oderland, die viele Veranstaltungen mitförderte, sowie allen Vereinsmitgliedern und ihren Vorgängern. Nach Jaqueline Hanebutt und Marion Hahn leiteten Michael Dittrich, Hiltraud Hanke und Hans Jürgen Röchow den Verein. Doris Steinkraus